Dienstag, 28. März 2017

M.W. Ludwig - Der Earl von Gaudibert von SINA

Art Skript Phantastik Verlag

Graham McPherson ist ein notorischer Schwindler. So behauptet er, auf dem Mond gewesen und dort sogar der Earl eines Mondkraters namens Gaudibert zu sein. Als Beweis hat er Monddiamanten dabei. Als angesehener Bürger Londons hat er viele Anhänger, doch sein größter Gegner Vincent St. John-Smythe möchte weitere Beweise und verleitet McPherson zu einer Wette. Wenn er es bis zum nächsten Vollmond schafft, zum Mond zu fliegen, bekommt er 20.000 Pfund. Als Gegensatz steht seine Ehre auf dem Spiel. Diese ist McPherson sehr wichtig und so sucht er einen Weg, seinen Schwindel wahr werden zu lassen. Dabei stößt er auf den Ganoven Suggs und die geheimnisvolle Chinesin Gann. Und verspricht auch diesen das Blaue vom Himmel.

Wieder eine Novelle aus dem Art Skript Phantastik Verlag und wieder eine rasante Geschichte, die vor Fantasie des Autors nur so strotzt. Schon von der ersten Seite an ist man in der Story drin. 

Graham McPherson ist ein sympathischer Kerl, obwohl er mit seinen Schwindeleien viele auf den Leim gehen lässt.
Als er von seinem größten Gegner St. John-Smythe in die Schranken gewiesen wird und seine Ausflüge zum Mond doch beweisen soll, befindet sich der selbsternannte Earl von Gaudibert natürlich in arger Bedrängnis. Durch Hilfe des Kleinganoven Suggs lernt er auch die Chinesin Gann kennen, die durch Wetten und ihren Lebensunterhalt verdient.

Und so findet man sich unvermittelt in einer Mischung aus Jules Vernes "Von der Erde zum Mond" sowie "Die Lügengeschichten des Baron Münchhausen" wieder.
Die Story steckt voll mit Anspielungen auf verschiedene Dinge, sei es Buch oder Film. So auch den Sciencefiction-Film "Die Reise zum Mond" von Georges Méliès (übrigens sehr sehenswert).



Die Novelle fliegt so dahin und es kommt keine Langeweile auf. Im Gegenteil, ich hätte noch stundenlang die Bemühungen von McPherson, Suggs und Gann mitverfolgen können, vor allem da die drei ein tolles Gespann sind.

Wenn man jedoch am Ende der Geschichte angelangt ist, kommt ein kleiner Hoffnungsschimmer, dass man sich auf weitere Teile freuen darf.

Der Autor hat einen lockeren Schreibstil und lässt so nebenbei auch viele Namen in die Geschichte einfließen, die zwar mehr oder weniger kleinere Rollen spielen, aber so noch ein I-Tüpfelchen auf alles draufsetzen. So darf man sich zum Beispiel auf ein (Lese)Treffen mit Jules Verne, Orson Wells, H.G. Wells oder eben den oben erwähnten Georges Méliès freuen darf. Aber noch viele weitere finden ihren Weg in den Roman.

Ich hatte richtig Spaß beim Lesen und konnte auch das Handeln der Protagonisten nachvollziehen. Vor allem McPherson Flunkereien und sein Herauswinden aus dem Lügengeflecht waren sehr unterhaltsam. 

Durch die abwechslungsreichen Szenen hatte jeder Protagonist auch seinen Auftritt und so ergab sich ein letztendlich sehr stimmiges Gesamtbild mit Ausblick auf eine Fortsetzung.

Fazit: 
Ein rasanter Ausflug zum Mond. Von mir gibt es dafür die volle Punktzahl.

Verlag: Art Skript Phantastik Verlag
erschienen: 2017
Printseiten: 199
Format: Taschenbuch
ISBN: 978-3-945045-084

Nadja Roth - Elli Werner: Seelenschatten (2) von SINA

epubli


Elli hatte als Hauptkommissarin der Mordkommission mit ihrem letzten Fall den wohl intensivsten ihrer Karriere, stand sie am Ende selbst als Opfer im Mittelpunkt. Immer noch arbeitsunfähig, fällt ihr nun zu Hause die Decke auf den Kopf und sie möchte nichts sehnlicher als Abwechslung und zurück an ihre Arbeitsstelle. 
Als ein Mord in ihrer Nachbarschaft geschieht, sieht sie ihre Chance gekommen. Zusammen mit ihrem Arbeitskollegen Adam Flick, der dem Mordopfer nahe stand, macht sie sich an die Aufklärung und stößt dabei auf einige Ungereimtheiten, die sich bis in die eigenen Reihen erstrecken.
Förderlich ist dabei nicht gerade, dass auch ihr Gefühlsleben Achterbahn fährt, weil sie dafür verantwortlich ist, dass ihr Chef Thomas Brunner im Koma liegt - und ihr Ex Michael immer dazwischenfunkt.

Elli hat es echt nicht leicht. Die Autorin lässt sie nicht zur Ruhe kommen. Nach einer traumatischen Erfahrung kommt sie nur langsam in den Alltag zurück. Dabei ist es jedoch nicht förderlich, dass ihre Vermieterin vor ihren Augen umgebracht wird, der Mörder aber unerkannt entkommen kann.
Doch Elli wäre nicht Elli, wenn sie dies nicht zum Anlass nehmen würde, sich in die Arbeit zu stürzen und mit Feuereifer ans Werk zu gehen.
Nur blöd, dass sie sich manchmal mit ihrer Art selbst im Weg steht.

Ich muss sagen, dass mich der zweite Teil um Elli Werner mehr in den Bann gezogen hat, als der erste Teil, der mit einigen Längen im Mittelpunkt aufgewartet hat. Nur fand ich, das sich Elli zeitweise etwas zu sehr in ihrem Selbstmitleid verfangen hat, gerade wenn es um ihr Liebesleben geht. Dies ändert sich zwar nach der Hälfte des Buches, weil etwas eintritt, mit dem ich so gar nicht gerechnet habe.

Im Gegensatz zum ersten Teil "Märchenblut" hat sich Elli verändert. Zum Teil positiv, da sie nun ihr Leben in Angriff nimmt und auch versucht, mehr aus sich zu machen.
Andererseits kommen auch negative Seiten zum Vorschein, vor allem, wenn ihr Ratschläge erteilt werden, so z. B. von ihren Kollegen Adam und Eva. Ihre patzige Art stößt viele vor den Kopf.

Was den Fall anbetrifft, war ich etwas verwundert, dass der Fokus des Erzählstil zum größten Teil auf Seiten des Mörders lag und man schon früh erfuhr, wer der Täter ist. Und doch war es faszinierend zu lesen, wie Elli und ihre Kollegen die Spuren verfolgten und ihre (richtigen und falschen) Schlüsse zogen.

© Sina Frambach

Der Mörder ist grausam und sadistisch. Hier zog die Autorin alle Register und beschrieb kaltblütige Szenen, die einem die Haare zu Berge stehen lassen.

Trotz aller Kritikpunkte, die eigentlich keine sind, sondern einfach nur das Ungewöhnliche herausheben sollen, war ich vom zweiten Teil der Reihe sehr fasziniert, gerade weil alle nicht heile Welt ist - hier insbesondere bei der Protagonistin Elli. Es wird deutlich aufgezeigt, dass Elli auch nur ein Mensch ist, der manchmal überfordert wird. 

Dies macht die Geschichte wiederum realistischer, obwohl ich mir sehr wünsche, dass so etwas nie Realität wird und wirklich nur eine entsprungene Geschichte aus dem Kopf der Autorin bleibt. 

Auch die Wendungen und Unvorhersehbarkeiten machten die Story zu einem rasanten Abenteuer kriminalistischer Art.

Am Ende war ich überrascht von Ellis Entscheidungen und bin gespannt, wie ihre weitere Zukunft aussehen wird.

Demgemäß hoffe ich, dass noch ein dritter Teil der Reihe erscheinen wird. Denn Elli ist mir trotz ihrer manchmal knorrigen Art doch sehr ans Herz gewachsen.

Fazit:
Ein Krimi mit Ecken und Kanten. Von mir gibt es 9 von 10 Punkten.

Verlag: epubli
erschienen: 2016
Printseiten: 512
Format: ebook
ISBN: 9783742700223 (Taschenbuch)

Nadja Roth - Elli Werner: Märchenblut (1) von SINA

neobooks

Eleonor "Elli" Werner, Hauptkommissarin bei der Mordkommission, hat gerade eine langjährige Beziehung beendet und ist froh, von Köln nach Ludwigshafen versetzt zu werden. Dort wird sie gleich in einen Mordfall verwickelt, der alle auf eine harte Probe stellt. Der Mörder inszeniert seine Morde regelrecht und präsentiert die Leichen in Positionen, die der Polizei Rätsel aufgeben. Außerdem hinterlässt er Zettel mit Märchenzitaten. Elli merkt schon bald, dass der Mörder ein Spiel spielt, in dessen Mittelpunkt sie sogar selbst stehen soll.

Krimis sind ja eigentlich nicht so mein Fall und wenn, dann muss mich der Klappentext überzeugen, damit ich danach greife. 
In diesem Fall zog mich der Part mit den Märchenzitaten. Und so wagte ich mich an eine mir bis dato unbekannte Autorin.

Ich gebe zu, dass ich im Mittelteil ein paar Längen verspürte und deswegen auch Mühe hatte, an der Geschichte dran zu bleiben. Doch hat die Autorin rechtzeitig die Kurve gekriegt und mich dann wieder packen können. 
Und darum bin ich auch froh, denn mit ihrer Protagonistin Elli Werner hat die Autorin eine Person geschaffen, die nicht den üblichen Klischees einer Frau oder gar einer Polizistin entspricht. Ein paar (viele) Pfunde zu viel auf den Rippen, eine gescheiterte Beziehung, ein Leben in Trümmern bedingt durch die schwere Trennung - dies führt dazu, dass sich Elli zeitweise in Selbstmitleid suhlt und so sich selbst und auch ihren Kollegen und Freunden das Leben sehr schwer macht. 
Doch bleibt ihr immer noch ihr Sarkasmus, den sie auch mal gerne auf sich selbst anwendet. 

Trotz oder gerade wegen der Misserfolge der letzten Zeit, setzt sie alle Kraft in den nun vorliegenden Mordfall und versucht durch ihr Engagement natürlich auch bei ihren Kollegen Sympathiepunkte zu erlangen. Mit ihrem neuen Kollegen und Partner Adam Flick, einem etwas chaotisch anmutenden Vater von zwei Wildfang-Mädchen, scheint sie eine gute Partie gemacht zu haben. Die beiden verstehen sich auf Anhieb. Elli ist für Adam ein Ruhepol und holt ihn auch mal runter, wenn er zu Hause mal wieder von seinen Töchtern an der Nase herumgeführt wird.

Und dann ist da noch Thomas Brunner, Ellis Chef... ein charmanter und sehr gutaussehender Mann, aus dem aber man teilweise jedoch nicht so ganz schlau wird.

Elli ist wirklich sehr sympathisch und hat einen scharfen Verstand, den sie gerne für die Ermittlungen einsetzt. Nur macht sie es sich selbst manchmal richtig schwer.

© Sina Frambach

Die Morde, die passieren, sind teilweise nichts für schwache Nerven, wird in Zwischenszenen nämlich aus Sicht des Mörders die Geschichte erzählt. Und so ergeben sich sehr interessante Einblicke, denn man beginnt selbst zu rätseln und zu recherchieren und denkt sich alle möglichen Szenarien aus, die dann letzten Endes total über den Haufen geworfen werden. 
Man wartet gebannt darauf, was die Taten des Mörders bei der Polizei und genauer bei Elli auslösen bzw. welche Schlüsse gezogen werden. Hat die Polizei das Gleiche in der Tat gesehen, wie der Mörder hofft oder wird eine völlig falsche Spur verfolgt?

Man merkt, dass die Autorin sich sehr genau mit der Arbeit der Polizei auseinandergesetzt hat, denn die Beschreibung der Vorgehensweise ist sehr detailliert, aber nicht uninteressant oder aufdringlich. Im Gegenteil. Sie schafft es, dass z. B. die Befragung von Zeugen sehr spannend dargestellt wird und man so meint, man wäre mit im Befragungsraum oder bei den Zeugen zu Hause.

Auch wenn das Thema ein sehr Gewagtes ist und man sich gar nicht vorstellen will, ob so etwas in der Realität auch durchgezogen wurde, fühlt man sich trotzdem gut unterhalten.

Neben Elli fallen vor allem ihr Kollege Adam und der Chef Thomas Brunner auf.
Adam ist mit Leib und Seele Polizist und sprudelt teilweise sogar fast über vor Enthusiasmus. Dies aber auch, weil er wahrscheinlich seinen Beruf als Gegenpol zu seinem Familienleben sieht. Der Spagat zwischen Familie und Beruf wird von ihm sehr gut ausgeführt. Er scheint ein liebevoller Vater zu sein, der für seine Kinder alles tun würde. Trotzdem wirkt er manchmal heillos überfordert, wenn es um seine Familie geht.
Thomas Brunner dagegen ist ein Buch mit 7 Siegeln. Sein Verhalten wechselt von einem auf den anderen Moment von charismatisch zu nervig und lässt Elli mehr als einmal rat- sowie sprachlos zurück.
Und trotzdem hat er sehr sympathische Züge, was die "nervige Zeit" dann wieder etwas ausgleicht.

Die Geschichte ist außer den bereits oben erwähnten Mittelteillängen spannend und man rätselt wirklich bis zum Ende mit, wer denn der Mörder ist. Denn es wird zwar teilweise aus der Sicht des Mörders erzählt, doch tappt man trotzdem im Dunkeln, wer es denn sein könnte.

Fazit:
Trotz kurzer Längen spannend und gefährlich. Von mir gibt es 8 von 10 Punkten.

Verlag: neobooks
erschienen: 2015
Printseiten:
Format: ebook
ISBN: 978-3-7380-1719-9

Sonntag, 26. März 2017

Interview: Sandra Lüpkes von SONJA



Sandra Lüpkes gehört zu den Autorinnen bei denen ich sofort eine Karte zur Lesung kaufen muss. Warum? Es ist immer ein lustiger und musikalischer Abend, der mich von meiner Nordsee träumen lässt.....Ich hatte anlässlich des neuen Buches "Inselfrühling" die Gelegenheit ein paar Fragen an Sandra Lüpkes zu stellen:

Quelle: http://www.sandraluepkes.de
Quelle: http://www.sandraluepkes.de


Haben Jannike, Mattheusz und Co. echte Vorbilder? Ein paar schrullige Insulaner vielleicht? Oder wie sind Sie auf diese Protagonisten gekommen?

Es gibt tatsächlich einige Vorbilder, allerdings niemals eins zu eins. Die Figuren sind oft eine Mischung aus  mehreren Personen, mit denen ich während meiner Zeit auf Juist zu tun hatte. Witzigerweise erkennen sich manchmal auch Leute in den Büchern wieder, die ich gar nicht gemeint habe.

Gibt es einen Grund, warum die Hoteldirektoren bei Ihnen immer so schwierige Gestalten sind (Gerd Bischoff bei Jannike und der Direktor bei der Sanddornkönigin)?

Gut beobachtet! Tatsächlich ist es so, dass die Besitzer der größten Hotels auf der Insel viel zu melden haben, sie sitzen oft im Gemeinderat und der Gaststättenverband hat an einem Touristenort auch viel mehr Einfluss als anderswo. Wer eine solche Position bekleidet, bringt einen dominanten Charakter oft schon mit. Oder hat ihn in die Wiege gelegt bekommen, wie Gerd Bischoff, der ja nicht ganz freiwillig das Familienhotel übernommen hat, wie wir in „Inselfrühling“ erfahren.

Im neuen Buch kommt eine bisschen Seemannsgarn zum Einsatz. Was halten Sie von diesen „alten Geschichten“ die man am besten bei einem Grog genießt?

Ich liebe alte Sagen und Novellen. „Der Schimmelreiter“ ist seit meiner Jugend mein unangefochtenes Lieblingsbuch. Auch wenn die Inseln ja heutzutage relativ abgesichert sind, die Erinnerungen an raue, harte Zeiten und den Kampf gegen das Meer bleiben dennoch allgegenwärtig.

Quelle: Sandra Lüpkes

Wie kam es zum Einsatz einer polnischen Familie auf der Insel (kulinarisch und menschlich)?

Die Probleme sind ja auf allen Inseln dieselben: Jede Ecke wird für Gäste genutzt, die Angestellten müssen sich mit recht beengten Wohnungen und überteuerten Mieten zufrieden geben. Da gab es immer Probleme, Personal auf die Insel zu locken. Nach der Wende - also Anfang der Neunziger Jahre des zwanzigsten Jahrhunderts - kamen darum viele polnische Saisonkräfte, für die der Lohn, den sie in drei Monaten verdient haben, die Familie zuhause ein ganzes Jahr ernähren konnte. Viele von ihnen sind auf der Insel geblieben, haben Insulaner geheiratet und Familien gegründet. Da lag es nahe, dass auch im kleinen Inselhotel eine polnische Familie arbeitet. Und wo sie schon mal da waren, haben sie gleich ein osteuropäisches Restaurant eröffnet. Oma Maria würde doch niemals Pizza backen!

Sie haben selbst zwei Töchter, waren deren Geburten auch so spektakulär?

Meine große Tocher wurde im Sommer geboren, was auf der Insel selten ist, denn da hat man ja eigentlich keine Zeit zum Kinderkriegen. Ähnlich wie Jannike hatte ich damals auch sehr viel um die Ohren, mein erster Mann und ich hatten gerade ein Haus gekauft und unsere Ferienwohnungen eröffnet. Deswegen sind wir erst wenige Tage vor dem Geburtstermin zum Festland gefahren, was aber problemlos war, meine Tochter war pünktlich - ist sie heute, mit Anfang zwanzig, übrigens immer noch ;-)
Meine jüngere Tochter kam kurz vor Karneval auf die Welt. Da kann es schon mal schwierig werden mit der Fahrt zum Festland, deshalb haben wir bereits ein paar Wochen vorher in einer Wohnung im Haus meiner Schwiegereltern gewohnt. Sie ist übrigens in der Badewanne geboren, auf ihrem Geburtspass prangt ein Seehundstempel. Und als wir dann an Weiberfastnacht wieder zur Insel gefahren sind, war die Fähre überfüllt mit Karnevalsflüchtlingen aus NRW. Wir haben keinen Platz mehr gefunden, bis uns die Matrosen in die Kombüse eingeladen haben. Völlig verqualmt, aber trotzdem besser, als bei Temperaturen um den Nullpunkt draußen an Deck zu stehen.


Im Nachwort werden ein paar „Besatzungsmitglieder“ genannt, wer hat bei welchen Themen in diesem Buch geholfen? Wer darf generell als erstes einen entstandenen Text bei Ihnen lesen? Wie schreiben Sie?

Ausnahmsweise hatte ich dieses Buch schon vor der ersten geschriebenen Zeile komplett durchgeplant. Dabei hat mir mein Mann Jürgen Kehrer - der ja auch Schriftsteller ist - geholfen, denn er hat ein unglaubliches Talent, eine Geschichte schon im Vorfeld zu überblicken: Wo sind die Konflikte, wo nimmt die Handlung eine entscheidende Wendung, wie kann man die Spannung noch weiter steigern? Das haben wir gemeinsam bei einer langen Autofahrt durchkonzipiert, danach ging das Schreiben deutlich einfacher als sonst. Aber wie gesagt, üblicherweise arbeite ich anders, mehr aus dem Bauch heraus. Doch da ich die letzten beiden Inselhotel-Romane recht schnell hintereinander geschrieben und parallel noch an zwei Drehbüchern gearbeitet habe, hat es diese Stringenz gebraucht. Erstleserin waren meine Lektorin und meine Agentin, danach ist das Manuskript noch an verschiedene Testleser gegangen. Mein Bruder und eine gute Freundin (von denen ich weiß, dass sie viel lesen und kein Blatt vor den Mund nehmen), ein Kieferorthopäde (für die Szenen mit Jannikes Vater), eine Bekannte aus Polen (für die Szenen mit Oma Maria), eine Hebamme (für die Schwangerschafts- und Geburtsszenen). Das ist immer eine Warterei, bis die kritischen Rückmeldungen eintrudeln… Wie kommt die Geschichte an? Ist sie spannend? Stimmen die Details? Diese Zweifel sind immer da, auch wenn „Inselfrühling“ mein inzwischen 24. Buch ist.

Quelle: Sandra Lüpkes


Sie wohnen inzwischen nicht mehr auf einer Insel, vermissen Sie das Meer und die steife Brise?

Das werde ich oft gefragt, und wenn ich ehrlich mit „Nein“ antworte, kommt es mir immer ein bisschen so vor, als sei der Fragesteller etwas enttäuscht. Zwar fahren mein Mann und ich ab und zu an die Küste, allerdings ist eher er die treibende Kraft, ich liebe hingegen die Berge. Und einen Fluss finde ich spannender als das Meer. Darüber hinaus möchte ich nie wieder auf so eingeengtem Raum und so weit ab vom Schuss wohnen. Im Gegenteil: Im kommenden Jahr ziehen wir nach Berlin, urbaner geht es ja eigentlich nicht, und ich freue mich sehr darauf, in einer großen Stadt einfach ein wenig unsichtbarer zu sein.

Quelle: Sandra Lüpkes


Was verbindet Sie mit Hannover?

Nach dem Abitur habe ich drei Jahre sehr gern in der niedersächsischen Landeshauptstadt gelebt. Ich habe dort eine Ausbildung zur Schaufensterdekorateurin absolviert und hinterher bei „Mäntelhaus Kaiser“ gearbeitet. Es war eine spannende Zeit: Demos gegen die geplante Expo 2000, „Fury in the Slaughterhouse“ feierten ihre ersten Erfolge, Radio ffn war absoluter Kult und hat am Waterloo-Platz super Partys geschmissen.

Welches ist Ihre Lieblingsinsel von den ostfriesischen Inseln und warum?

Schwer zu sagen. Meine Heimat ist natürlich Juist, im Winter fahre ich gern nach Norderney und im Sommer lieber nach Spiekeroog. Vor zwei Jahren war ich auch endlich mal auf Baltrum und muss sagen: Das Inselchen ist sehr charmant… Also, ich bin diplomatisch und sage: Jedes Eiland hat sein ganz bestimmtes Extra und ist liebenswert. Ich kann mich da nicht entscheiden. Aus diesem Grund steht ja auch das kleine Inselhotel auf keiner genannten Insel, da darf sich jeder seinen Favoritenort aussuchen.

Quelle: Sandra Lüpkes
Norderney


Wie kam es zu den musikalischen Lesungen?

Als kleines Mädchen konnte ich mich nicht entscheiden, ob ich lieber Schriftstellerin, Schauspielerin oder Sängerin werden wollte - am liebsten alles drei. Und welch ein Glück: Bei den Lesungen kann ich das wirklich ausleben. Tatsächlich habe ich schon immer gesungen, hatte mehrere Bands, und bin durch das Schreiben der Songtexte dann auch schließlich zum Geschichtenschreiben gekommen.

© Sonja Kochmann

© Sonja Kochmann


Wie kam es zur Zusammenarbeit mit Ole West?

Das ist eine schöne Geschichte: Schon immer mochte ich die Bilder und Grafiken von Ole West, in unserem Haus auf Juist hatten wir fast in jeder Ecke einen Kunstdruck von ihm hängen. Dann habe ich auf einer Lesung auf Norderney erfahren, dass Ole West auch anwesend ist. Fast ein wenig schüchtern habe ich mich bei ihm vorgestellt - und siehe da: Er war auch so etwas wie ein Fan von mir und meinen Büchern. Wenige Kaltgetränke später war klar, dass wir was zusammen machen müssen, herausgekommen sind zwei wunderbar illustrierte Erzählungen.


© Sonja Kochmann


© Sonja Kochmann


© Sonja Kochmann

Darf man auf einen weiteren Band der Insel Reihe oder Wencke Tydmers hoffen?

Wencke hat tatsächlich im letzten Jahr mal wieder zwischen zwei Buchdeckeln ermittelt. Im Roman „Acht Leichen zum Dessert“ (kbv-Verlag), den ich gemeinsam mit sieben Kollegen bei einem Schreibprojekt in nur acht Tagen geschrieben haben, kommt meine Ermittlerin mal wieder zum Einsatz, allerdings in einem Ermittlerteam. Es hat großen Spaß gemacht, mal wieder etwas aus der Wencke-Sicht zu schreiben und mir war gar nicht klar, wie tough diese Frau eigentlich ist. Einen eigenen Wencke-Roman wird es eher nicht so bald geben, auch erst mal keinen Inselhotel-Roman, da ich derzeit mehr mit dem Drehbuchschreiben beschäftigt bin. Nach siebzehn Jahren gönne ich mir mal eine kleine Roman-Pause.

Wer oder was hat Sie zum Schreiben gebracht?

Vielleicht mein Vater, der Pastor war und den ich immer samstags auf die Tasten seiner Schreibmaschine hauen hörte. Oder meine Mutter, die einfach so frei nach Schnauze ganz wunderbare Geschichten erzählen kann. Vielleicht auch ein, zwei Deutschlehrer, die erkannt haben, dass da eventuell ein Talent schlummert (es waren nach meinem Gefühl nur zwei, aber wenn ich heute meine ehemaligen Lehrer treffe, behaupten die oft, sie hätten es schon immer gewusst - sogar die Physik-Lehrer). Ich weiß es nicht genau. Ich wollte das eben schon immer machen.

Welchen Part am Autorin sein, finden Sie am besten (Schreiben, Lesungen, das Buch im Laden sehen, der Film der erscheint)?

Ganz klar: Es ist alles auf einmal. Nichts würde mir allein auf die Dauer Spaß machen, die Mischung ist aber perfekt.

Quelle: Sandra Lüpkes


Wer ist Ihr Lieblingsschriftsteller?

Was soll ich da sagen: Natürlich mein Mann.

Was ist Ihr Lieblingsbuch?

„Der Schimmelreiter“ von Theodor Storm (s.o.), „Homo Faber“ von Max Frisch und „Arbeit und Struktur“ von Wolfgang Herrndorf.

Haben Sie neben dem Schreiben noch Hobbys?

Obwohl ich gern schreibe, ist es nicht mein Hobby, sondern mein Beruf. In meiner Freizeit gehe ich gern wandern, arbeite im Garten, singe im Chor und schaue mir Filme im Programmkino an.

Was lesen Sie gerade?

Da ich viel am Bildschirm sitze, höre ich Bücher eher, meistens beim Laufen. Momentan begleitet mich Frank Goosens „Sommerfest“ in das kleine Wäldchen um die Ecke. Aber in den Osterferien habe ich mir Juli Zehs „Unterleuten“ vorgenommen.

Wie stehen Sie zum Ebook?

Ist auf jeden Fall eine tolle Alternative, auch wenn ich es schade finde, dass man in der Bahn die Leute nicht charakterisieren kann, weil das Buchcover nichts mehr über sie verrät.


Vielen Dank für das Interview und den Einblick ins Fotoalbum. Ich freue mich bereits auf die Lesung im Juni 2017 in Hannover.


© Sonja Kochmann



Sandra Lüpkes - Inselfrühling von SONJA



Quelle: Rowohlt



INHALT:
Jannike und Mattheusz haben ordentlich was um die Ohren: hochschwanger, frisch verheiratet und mittendrin im Sturmtief Linda beginnt die Saison für das kleine Inselhotel. Als es zu Dünenabbrüchen und Stromausfall kommt, gerät die Zukunft in Gefahr.....

FAZIT:
Der Schreibstil von Sandra Lüpkes ist im vierten Teil wieder famos: abwechslungsreich, witzig und dialogstark.

Der Kreis um Jannike und Co. bekommt mächtig Zuwachs. Damit auch alles in ordentlichen Bahnen verläuft, heiraten Jannike und Mattheusz vor der Geburt der Zwillinge in Polen. Damit lernt man gleich die neue Verwandtschaft kennen und kann nötige Bräuche wahren.
Dumm nur, wenn der eigene Vater so verdammt bieder und knöchern ist, dass er sich mit Oma Maria eine neue Feindin schafft. (Bei den Seiten mit polnischen Ausdrücken hätte ich mir übrigens hier und da ein paar Fußnoten gewünscht, da ich beim Lesen das Gefühl hatte, etwas zu verpassen und Oma Maria ist einfach die Beste.)

Zurück auf der Insel machen Jannikes Partner und sein Mann erst einmal Urlaub und damit verliert Jannike irgendwie den Halt. Man hat während der gesamten chaotischen Handlung das Gefühl, dass Jannike mitgerissen wird. Chaotisch war es ja in den Vorbänden auch, aber diesmal ist Jannike sehr passiv und ich gebe zu, dass mich das teilweise doch sehr gestört hat. Eigentlich hätte es zu ihr mehr gepasst, ab und zu mit der Faust auf den Tisch zu hauen und hochschwanger die Sache selbst zu regeln.

Aber auch die anderen Protagonisten haben ordentlich zu Tun, denn das Buch lebt wie immer von dem Zusammenspiel der schrulligen Insulaner: Gerd Bischoff und Monika Galinski haben es nicht leicht ihre neue / alte Partnerschaft auszuleben. Denn hier trifft der routinierte Hotelier auf die esoterisch angehauchte Lebenskünstlerin. Hanne Hahn würde am liebsten auch noch mitmischen, denn die hat ganz eigene Motive...

Sturmtief Linda bedroht die Insel und von da ab müssen alle in die Hände spuken und den Groll begraben und gemeinsam anpacken. Eine interessante Menschenstudie, die Würze von außerhalb bekommt, als, Jannikes Vater, die Küstenschutzexperten (von mir mal hier als Herr Wortkarg und Frau Plappermaul bezeichnet), ein Sternekoch und Tourismusjournalisten auf der Insel eintreffen.

Ob Jannikes Zuhause gerettet werden kann, was Zahnspangen mit Küstenschutz zu tun haben und ob es neue Insulaner gibt, lest selbst: 9 von 10 Punkten aufgrund Jannikes Flaute bei stürmischer See.

P.S.: Ich finde das Cover angesichts der stürmischen Handlung trügerisch und eigentlich ziemlich unpassend. Dürfen auf Büchern keine dunklen Wolken die Stimmung trüben?


Verlag: Rowohlt
erschienen: 2017
Seiten: 336
ISBN: 978-3499272264


© Sonja Kochmann



Dienstag, 21. März 2017

Erin Watt - Paper Prince: Das Verlangen von SONJA


Quelle: Piper


INHALT:
Ella Harper hat das Leben der Royals so richtig auf den Kopf gestellt. Obwohl die Brüder ihr ordentlich zugesetzt haben, hat sie es mit Ihnen aufgenommen und zum Teil positiv auf diese eingewirkt. Gerade Reed kann nach dem Tod seiner Mutter, dank Ella, wieder positiv in den Tag blicken. Als Ella verschwindet, versuchen die Royals alles, um Ella zurückzuholen.

FAZIT:
Wer "Paper Princess" nicht kennt, der MUSS dies, zum Verständnis und weil es SO TOLL ist, wirklich nachholen.

Die Handlung setzt unmittelbar, jedoch diesmal schwerpunktmäßig aus der Sicht von Reed, bei dem Cliffhanger des Vorbandes an. Man ist aufgrund des Schreibstils sofort wieder gefesselt und kann das Buch nicht aus der Hand legen.

Die beiden Autorinnen, die unter dem Pseudonym Erin Watt schreiben, könnten Drehbücher für Seifenopern schreiben, denn die Handlung hat es echt in sich. (Ich würde schon gern wissen, wer dahinter steckt. Ihr auch?) 

Wer mit wem und welche Leichen im Keller, reich, arm, schön und eine handvoll fieser Menschen. Einmal umrühren und schon ist man stundenlang an ein Buch gefesselt, was wieder mit einem gemeinen Cliffhanger endet!!! (Gut, dass das ebook bald erscheint.)

Was kann man bei dieser Handlungsentwicklung verraten, ohne zuviel vorweg zu nehmen? Naja, Easton wird zu einem Verbündeten. Er ist für Ella wichtig und gleichzeitig liefert er sich mit Ellas bester Freundin Val einen Schwung spritziger Wortgefechte, so dass man vielleicht hoffen kann, dass da mehr aus diesen beiden wird. Ella schafft es, ihre natürliche Art trotz ihres Erbes zu erhalten, obwohl sie tagtäglich einem Spießrutenlauf ausgesetzt wird,der einem Angst und Bange macht. 

Ansonsten sind die Fieslinge aus Band 1 sehr aktiv und setzen Ella und Co. ordentlich zu, so dass ein friedliches Leben fast nicht möglich ist. Das kann man sich doch nicht gefallen lassen! Einige Personen bekommen endlich den Hintern hoch und nehmen den Kampf auf.
Aber lest selbst....volle Punktzahl für die packende Geschichte, obwohl es "nur" der zweite Band einer Trilogie ist.

Verlag: Piper
erschienen: 2017
Seiten: 368
ISBN: 978-3492060721

© Sonja Kochmann

Sonntag, 19. März 2017

Mina Baites - Die silberne Spieldose von SINA

Tinte & Feder

Der Jude und Besitzer eines Juwelierladens Johann Blumenthal meldet sich im Jahr 1914 freiwillig für den Kriegsdienst, um für Deutschland an vorderster Front zu kämpfen. Bevor er geht, schenkt er seinem Sohn Paul eine selbstgemachte silberne Spieldose, damit dieser eine Erinnerung an seinen Vater hat, solange er im Krieg ist. Doch für das jüdische Volk wird es zusehends schwieriger, in Deutschland frei zu leben. Der Hass wird größer. 
Dies wirkt sich auch vehement auf die Familie Blumenthal aus. Paul, der in die Fußstapfen seines Vaters getreten ist, kämpft mit den Vorurteilen, die herrschen und fasst schweren Herzens einen Plan, um sich und seine Familie zu retten, der jedoch auch das Leben kosten kann.

Der Krieg, ein schwieriges Thema. Der Zweite Weltkrieg aus Sicht eines Juden - ein noch schwierigeres. Und ein bewegendes.
Vieles wird uns im Unterricht beigebracht. Wir lernen, was passiert ist. Wir lernen, warum es passiert ist. Wir lernen, dass es nie wieder passieren darf.

Doch wie es wirklich war, kann uns keiner sagen. Nur derjenige, der selbst daran beteiligt war. Und selbst dann kann man das ganze Ausmaß nicht richtig verstehen. Grausam und erschütternd, unverständlich und schwierig.

Die Autorin hat sich nun an dieses Thema gewagt und eine Familiensaga geschaffen, die einem mit jedem geschriebenen Wort immer mehr in den Bann zieht. Von Anfang an mit dem liebende Vater Johann Blumenthal, der sich freiwillig an der Front meldet, von dessen herzlichen Frau Lotte, die große Sorgen durchmachen muss. Der Sohn Paul, der sich später in Carla verliebt und von vielen anderen sympathischen und vor allem mutigen Charakteren - der Bann bliebt bei jedem bestehen und man klebt an der Geschichte, nein, man erlebt die Geschichte.

In ruhigem Schreibstil wird erzählt, wie schwer es die Juden in der damaligen Zeit hatten. Welch Leid sie ertragen mussten und welche Schritte gegen sie unternommen wurden. Dabei führt uns die Autorin noch nicht einmal in das KZ, sondern schildert Gegebenheiten, die im Alltag passierten. Anfeindungen durch ehemalige Freunde, Zerstörung von Eigentum, Erlass von Gesetzen gegen Juden. Hass, der in Wellen um sich schlägt und das Leben zur Hölle macht.

Und mittendrin immer wieder die silberne Spieldose, die sich wie ein roter Faden durch die Geschichte zieht. Sie wirkt unscheinbar, drängt sich nicht in den Vordergrund und doch ist sie ein wichtiger Bestandteil und macht einen großen Teil der Geschichte aus.

Die Charaktere sind durchweg sympathisch, haben ihre Eigenarten und auch Fehler, und doch ist es gerade das, was sie unheimlich menschlich wirken lässt. 
Manches kann man nicht nachvollziehen, doch liegt dies auch daran, dass die Zeiten anders waren, dass die Wege nicht einfach waren und vor allem, dass die Liebe, die zwischen den Charakteren herrscht, dazu führt, dass man zu Mitteln greift, die einem als der letzte Ausweg erscheinen.

Die Autorin hat ihr Herzblut in die Geschichte gesteckt, wie sie in einer gemeinsamen Leserunde dazu berichtet hat. Diese Geschichte zu erzählen, hat sie selbst viele Nerven gekostet und auch so manche ruhelose Nacht. 
Denn die bewegende Story führt dazu, dass man selbst anfängt, sich so hineinzuversetzen, dass man meint, selbst dabei zu sein. Das Kopfkino hatte jede Menge zu tun und tat sogar manchmal mehr, als man wollte. 
Aber genau das macht eine gute Geschichte einfach aus. Man spinnt sie weiter, erweckt eine Nebenstory, zieht neue Fäden ein und lässt das Buch einfach leben.

Die Autorin hat verraten, dass sie nichts, was sie je geschrieben hat, so berührt hat wie diese Geschichte.

Mich hat sie ebenfalls sehr berührt. Dies wird ein Buch sein, dass ich nur einmal lesen kann, da mir die Thematik einfach zu sehr unter die Haut geht. Trotzdem möchte ich es nicht missen, dass ich die Geschichte gelesen habe.

Fazit:
Ein intensives Buch. Von mir gibt es dafür die volle Punktzahl.

Verlag: Feder & TInte
erschienen: 2017
Printseiten: 340
Format: ebook
ISBN: 978-1477824511

Donnerstag, 16. März 2017

Ursula Poznanski - Schatten von SONJA



Quelle: Rowohlt


INHALT:
Ein unbeliebter Nachbar grausam zu gerichtet, eine unfreundliche Hebamme ertränkt in einem Bach; Beatrice Kaspary und Florin Wenninger haben wieder einiges zu tun. Beatrice erkennt; diese Fälle haben mit ihr zu tun. Denn sie kannte beide Opfer und konnte diese nicht leiden. Sie begibt sich in massive Gefahr, als sie erkennt, dass es eine weitere Spur in ihre Vergangenheit gibt....

FAZIT:
Wer bislang die Reihe von Beatrice Kaspary und Florin Wenninger nicht kennt, sollte sich unbedingt an die richtige Reihenfolge (1. Fünf, 2. Blinde Vögel, 3. Stimmen) halten, denn die Ermittler machen selbst eine Entwicklung durch und um Beatrices Werdegang und ihre "Antipathien" gegen Kollegen und Exmann verstehen zu können, sollte man die Vorbände gelesen haben.

Aufgrund der raschen Abfolge der Morde und Beatrices Ehrgeiz eine Verbindung zu finden, vergehen die 416 Seiten wie im Fluge. Obwohl ich zeitweise etwas Mühe hatte, mich an die bereits angesprochene Verbindung zur Vergangenheit (mehr verrate ich nicht) zu erinnern, hat es die Autorin geschafft, durch spannende Erklärungen und psychologische Tricks mein Gedächtnis ohne unnötige Wiederholungen aufzufrischen.

Die Ereignisse der Vergangenheit werden in anderer Schrift durch ein Tagebuch näher gebracht. Wer könnte als Täter in Frage kommen? Diese Suche im Heuhaufen und die verstrichene Zeit fand ich ein ganz klein bisschen überzogen.

Besonders gelungen fand ich jedoch Beatrices und Florins Fortschritte in ihrer Beziehung, so dass man gespannt sein darf, wohin dies noch führen könnte.

Soviel darf ich verraten: Der Bösewicht gehört mal wieder einer Berufsgruppe an, von der man sich doch fern halten sollte, wenn man kann. Ich vergebe 8 von 10 Punkten für diesen soliden Thriller, da ich die Vorbände deutlich stärker und abwechslungsreicher fand.

Verlag: Rowohlt
erschienen: 2017
Seiten: 416
ISBN: 978-3805250634

© Sonja Kochmann


Dienstag, 14. März 2017

Lisa McAbbey - Der Spion mit dem Strumpfband von SINA

BeHeartbeat by Lübbe

Clarissa Greenly arbeitet nach dem Bankrott ihrer Familie in einer Buchhandlung, um das hart erkämpfte Geld unter anderem auch für die Schulden ihres Vaters auszugeben. Ihr Vater sitzt nämlich im Gefängnis und kommt dort erst frei, wenn er schuldenfrei ist. Da das Geld von der Arbeit in der Buchhandlung nicht ausreicht, hat sich Clarissa als Spionin für die Spinne anstellen lassen. Nunmehr arbeitet sie im Verborgenen für die königliche Familie. Als ihr ein neuer Auftrag erteilt wird, kann sie nicht ahnen, dass der Mann, den sie ausspionieren soll, ihr einen Strich durch die Rechnung macht. Denn der Earl von Hawkhurst hat eine Ausstrahlung, bei der sich Clarissa sicher ist, dass er ihr Untergang sein wird. Doch weiß sie von der Spinne, dass der Earl auch ein Hochverräter sein soll und sie dringend an das rote Notizbuch kommen muss, das sich bei ihm zu Hause befindet. 

Schon mit ihrem Roman "Die Eroberung des Normannen" hat mir die Autorin eindrucksvoll bewiesen, wie gekonnt sie mit Worten umgehen kann. Mit ihrem aktuellen Roman hat sie sogar nochmal eine Schippe draufgelegt und so fliegt man förmlich durch die Geschichte, getragen von einem sehr faszinierenden Schreibstil. 

Zu Anfang lernen wir Clarissa kennen, die eher schüchtern daherkommt. Doch im Laufe der Geschichte merkt man, dass sie auch ein loses Mundwerk haben kann, wenn es darauf ankommt. Es ist also schon vorprogrammiert, dass sie mit dem unnahbaren James Bauclerc, dem Earl von Hawkhurst aneinandergeraten muss. 

Es handelt sich hier um eine historische Liebesgeschichte, immer wieder gespickt mit einigen Einwürfen bezüglich der Belagerung der Insel Menorca durch die Franzosen im Jahre 1756. Doch dies steht nicht im Vordergrund, sondern eben Clarissa und James. 

Die Autorin lässt die Clarissa und James immer wieder aneinandergeraten. Und meist trennen die beiden sich in Streit. Die Wortgefechte zwischen den beiden sind köstlich. Ich hätte stundenlang lesen können, wie die beiden miteinander umgehen, sich um den Bart streichen, in Streit ausbrechen oder gar in verfängliche Situationen geraten.
Dies natürlich auch nur, weil Clarissa in verschiedenen Verkleidungen vor den Earl tritt, um ja herauszufinden, wo sich dieses rote Notizbüchlein denn befindet. Dabei hat Clarissa so einige Ideen. Ihre Verkleidung als junger Mann bei einer Ausstellung oder als Dirne sind da nur zwei Beispiele. 

Und doch wirkt es, als wäre ein großer Graben zwischen den beiden, bedingt eben durch ihr aktuelles Leben. Clarissa, als verarmte Lady, die mit allen Mitteln versucht, sich und ihrem Vater ein neues Leben aufzubauen. James auf der anderen Seite, der alles besitzt. 

Außerdem befinden wir uns im schönen London, eine Stadt, die ich - könnte ich zeitreisen - im Mittelalter gerne besuchen würde. Die Faszination und der Flair sind unwiderstehlich anziehend und passt einfach für das Setting.

Der Adel, das Nachtleben und die tägliche Routine sind eine perfekte Mischung gerade für diese Story. 

Die Liebesgeschichte steht klar im Vordergrund, erst nach und nach kommt dabei auch raus, was es mit diesem roten Notizbuch auf sich hat, dass Clarissa stehlen soll.

Ich muss aber sagen, dass mich die Autorin schon von den ersten Seiten her hatte. Denn die Beschreibung der Arbeit von Clarissa in dem Buchladen hat viele, viele Pluspunkte gebracht. Denn was wünscht sich eine Leserin nicht mehr, als von Büchern und vom Lesen zu lesen. ;)

Auch die anderen Charaktere waren sehr sympathisch, angefangen bei Besitzer des Buchladens bis hin zu Clarissas Vater Francis oder James Mutter Violet, die - ganz im Sinne ihres Namens - nur violette Kleider trägt. Gerade diese schrulligen Kleinigkeiten sind mir extrem aufgefallen. Und haben die Personen und die Geschichte noch liebenswerter gemacht.

Fazit:
Ein gelungener Liebesroman vor der Welthauptstadt London im Jahre 1756. Von mir gibt es die volle Punktzahl.

Verlag: beHeartbeat by Lübbe
erschienen: 2017
Printseiten: 259

Format: ebook
ISBN: 978-3-7325-3595-8