Samstag, 14. Juli 2012

Interview // Gerit Bertram


Auch das Autorenpaar Gerit Bertram, bestehend aus Iris Klockmann und Peter Hoeft, durfte ich in „nethas schmökerkiste“ bei Leserunden zu ihren Romanen „Die Goldspinnerin“ und der Fortsetzung „Das Gold der Lagune“ kennenlernen. Sie standen Rede und Antwort und gaben einen Einblick hinter die Kulissen.

© Iris Klockmann, Peter Hoeft
Mit der geschaffenen Figur Cristin, die die Hauptperson in den beiden Romanen ist, haben die Autoren einen sehr sympathischen Charakter geschaffen. Auch sonst sind die beiden Romane uneingeschränkt zu empfehlen, ist doch alles in ihnen vorhanden. Spannung, Intrige, Liebe, Freundschaft.

Aber hier nun zu meinen Fragen.

Kleeblatt: Als erstes interessiert natürlich, wie Ihr beiden Euch gefunden habt. Ihr wohnt ja doch ein paar Kilometer auseinander.
Peter: Wir haben uns 2007 durch unsere Mitgliedschaft in einem kleinen Internet-Schreibforum kennengelernt. Nachdem klar war, dass wir gemeinsam schreiben wollten, haben wir uns besucht. Der Hauptkontakt bestand und besteht auch heute via email und Telefon und das fast täglich.
Iris: Dank des Internets funktioniert es wunderbar. Was wären wir ohne dieses großartige Medium? Heutzutage sind Entfernungen ja kein Problem mehr.

Kleeblatt: Das stimmt. Ohne Internet hätte ich Euch nie „persönlich“ über das Forum kennengelernt. Leider hat ein Treffen dieses Jahr in Leipzig bei der Buchmesse nicht geklappt. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Dabei hätte mich brennend interessiert, wie denn die Zusammenarbeit zwischen Euch abläuft?
Peter: Am Anfang steht eine Idee. Diese wird dann gemeinsam ausgearbeitet und ein Exposé, also eine etwa dreiseitige Inhaltsangabe geschrieben. Dazu kommen die wichtigsten Figuren des Romans – Aussehen, Alter, Charaktereigenschaften usw. Nachdem wir das Exposé fertiggestellt haben und unsere Agentur Interesse daran bekundet hat, geht’s ans Werk.
Iris: Mal ist es Peter mit einer neuen Idee, mal ich. Am Kreativsten sind wir allerdings, wenn wir uns treffen und Zeit zum Gedankenspinnen haben. Erst bei unserer letzten gemeinsamen Recherchereise konnten wir so gleich mehrere Romanideen entwickeln.


Kleeblatt: Iris, Du gibst mir ein Stichtwort: Die Recherche zur Geschichte ist das A und O. Wie recherchiert Ihr denn? Internet, Bücher oder Reisen in die jeweilige Gegend?
Peter: Du sagst es: Recherche ist tatsächlich das Wichtigste beim Schreiben eines Romans. Dafür benutzen wir neben dem Internet hauptsächlich Bücher, reisen aber auch an die Orte, in denen unsere Geschichten spielen. Iris hat fürDas Gold der Lagune“ in Venedig recherchiert, zusammen waren wir bereits in Nürnberg und kürzlich in Frankfurt.
Iris: Archive sind großartige Orte des Wissens, da konnte ich schon so manches herausfinden. Wobei ich aber die Recherche vor Ort für die beste halte, denn wir haben leider im Laufe der Jahre schon feststellen müssen, dass sich auch in Büchern und im Netz Fehler einschleichen, die für unsere Arbeit natürlich fatal wären. Insofern versuche ich, all unsere Settings zu besuchen. Obwohl Street View und Google Maps bestimmt hilfreich sind, können sie meiner Meinung nach die Atmosphäre, die Gerüche und die vielen Details, die einen Roman letztlich authentisch machen, nicht einfangen.

Kleeblatt: Wenn man am Ort des Geschehens war, kann man ihn besser beschreiben. Das ist wohl ein sehr wichtiges Detail beim Schreiben von Romanen. Besteht denn immer Einigkeit zwischen Euch? Oder gibt es auch mal „Krach“?
Peter: Es gab in den vergangenen fünf Jahren, die wir nun zusammen arbeiten, natürlich schon mal die eine oder andere Meinungsverschiedenheit, doch gekracht hat es noch nie.
Iris: Wir sind uns erstaunlicherweise meist einig. Dennoch sind wir zwei unterschiedliche Menschen, die leidenschaftlich darum bemüht sind, das Beste aus uns herauszuholen. Da bleibt es nicht aus, auch mal verschiedener Meinung zu sein. Wenn wir uns nicht sofort einigen können – was selten vorkommt – vertagen wir die Entscheidung auf einen anderen Tag. Damit fahren wir sehr gut.

Kleeblatt: Ich finde es gut, dass Ihr euch so toll versteht. Das merkt man auch in den Foren, in denen Ihr unterwegs seid. Das nächste Buch steht ja auch schon fast in den Startlöchern. Aber man kann ja nicht am laufenden Band schreiben. Was macht Ihr in Eurer Freizeit?
Peter: Ich entspanne mich mit einem interessanten Buch oder bei einem guten Film. Außerdem verreise ich gern mit meiner Frau. Spanien und die Ostseeküste sind unsere bevorzugten Urlaubsziele.
Iris: Ich liebe das Reisen, und freue mich immer, dies aufgrund unserer Arbeit tun zu dürfen. Lesen natürlich, mit Freunden treffen, Zeit mit meiner Familie verbringen. Außerdem interessiere ich mich für fremde Kulturen und Archäologie.

Kleeblatt: Spanien ist mein Lieblingsland. Ich war jetzt auch schon ein paar Mal dort und bin begeistert von Land und Leuten. Mein nächstes Urlaubsziel ist Lanzarote. Apropos Ziel: Gibt es ein Ziel, dass Ihr unbedingt erreichen wollt?
Peter: Unsere Leser auch in den nächsten Jahren mit unseren Geschichten bestens zu unterhalten und – ganz unbescheiden - uns fest unter den Belletristikautoren Deutschlands zu etablieren.
Iris: Genau, Partner. Dem ist nichts hinzuzufügen.

Kleeblatt: Das freut uns Leser natürlich ungemein. Aber was ist mit Euch: Lest Ihr gerne (Peter hats ja schon ein bisschen verraten)? Wenn ja, welches Genre? Was ist Eure aktuelle Lektüre?
Peter: Lesen? Nö, ich mag keine Bücher. Kleiner Scherz – welcher Autor liest nicht auch gern? Bei mir sind es die Bücher einiger Kollegen im historischen Genre wie Titus Müller und Kathrin Lange, um nur zwei von einer ganzen Anzahl zu nennen. Aber auch Sachbücher nehme ich gern zur Hand. Aktuell lese ich „Der Zurückgekehrte“ von Martin Fieber.
Iris: Da mag ich mich gar nicht auf ein Genre festlegen. Ich mag Autoren, die mich an die Hand nehmen und meine Fantasie anregen. Zurzeit lese ich viele deutsche Kollegen, wie z.B. Kai Meyer und Vincent Kliesch. Aktuell lese ich diverse Fachbücher, die mit einem unserer nächsten Romane zu tun haben. Schwere Kost, aber unheimlich interessant.

Kleeblatt: Kai Meyer gehört auch zu meinen Lieblingen. Genauso wie spanisches Essen. Was esst Ihr denn so? Kocht Ihr auch gerne?
Peter: Bei uns übernimmt meine Frau das Kochen. Wir leben seit zwei Jahren vegetarisch, da gibt’s immer wieder neue tolle Gerichte und zwar aus aller Herren Länder.
Iris: Ich koche sehr gern, aber nur wenn ich Zeit habe. Im Alltag empfinde ich es manchmal als lästig. Am liebsten mag ich es mediterran und asiatisch.

© Iris Klockmann, Peter Hoeft
Kleeblatt: Auf Eurer Homepage sind wunderschöne Bilder, auch mal in mittelalterlichem Gewand bei Lesungen. Verbindet Ihr etwas besonderes mit dem Mittelalter?
Peter: Das Mittelalter war eine lange Zeitspanne von über 800 Jahren mit sehr vielen interessanten Ereignissen. Das bietet Stoff für viele Geschichten. Gelebt haben möchte ich damals allerdings nicht. Dafür waren die Zeiten dann doch zu unsicher, wenn man nur mal an Kriege, Krankheiten usw. denkt, unter denen die Menschen litten.
Iris: Das Mittelalter ist einfach eine faszinierende Epoche. Große Denker, Künstler und Erfinder haben dieser Zeit Glanz und Fortschritt gebracht, alles jedoch überdeckt mit Seuchen und Aberglauben. Vielleicht ist es genau der Gegensatz, der das Mittelalter für mich so reizvoll macht.

Kleeblatt: Ja, eine faszinierende und reizvolle Zeit. Aber darin leben wäre auch nichts für mich. Deshalb ist es gut, wenn man in Büchern darin eintauchen kann. Und deswegen sollt Ihr immer schön fleißig sein. Ach ja, ohne Fleiß, kein Preis. Was gönnt Ihr Euch, wenn ein Buch fertig geschrieben ist?
Peter: Hm – nach Abschluss eines Manuskripts habe ich mir noch nie was besonderes gegönnt. Vielleicht sollte ich das mal einführen. Einen neuen Vertrag mit unserem Verlag dagegen feiern meine Frau und ich mit einer Flasche Sekt.
Iris: Ich feiere still, meist mit meinem Mann und meinen Töchtern. Wobei mich die Manuskriptabgabe auf der einen Seite froh macht, aber auf der anderen auch melancholisch zurücklässt. Ich frage mich dann, ob ich auch wirklich das Allerbeste gegeben habe, wie die Leser es aufnehmen werden zum Beispiel. Dieses Gefühl kann ich am ehesten mit einem Kind vergleichen, das aus dem Haus geht und ich es loslassen muss.

Kleeblatt: Das kann ich nachvollziehen. Mein Sohn ist zwar erst 3, aber sie werden ja so schnell groß. Abschließend möchte ich wieder wissen: Was sind denn Eure Lieblingszitate?
Peter: Eines von mehreren, das mir gut gefällt, lautet: Fallen ist keine Schande – nur liegen bleiben darf man nicht (unbekannter Verfasser).
Iris: Wende dein Gesicht der Sonne zu, dann fallen die Schatten hinter dich. Oder: Urteile nie über einen Menschen, solange du nicht einen Mond lang in seinen Mokassins gelaufen bist (Sitting Bull).

Herzlichen Dank, Iris und Peter. Wir haben sehr interessante Dinge erfahren und wünsche euch natürlich weiterhin eine gute Zusammenarbeit, damit noch mehr so tolle Bücher wie „Die Goldspinnerin“ und „Das Gold der Lagune“ dabei herauskommen. 

Kommentare:

  1. Ein interessantes Interview mit zwei sehr interessanten Menschen.
    Ich wünsche dem Autorenpaar weiterhin ganz viel Erfolg.
    Die beiden Romane "Die Goldspinnerin" und "Das Gold der Lagune" kann ich nur empfehlen, habe sie beide gelesen. Ich freue mich schon auf weitere Bücher von ihnen.

    Herzliche Grüße
    Heike

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  2. Lieben Dank für deinen netten Kommentar, Heike.

    LG Sina

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