Freitag, 21. September 2012

Interview mit Doris Cramer von SONJA

In den vergangenen Tagen habe ich 

Quelle: Blanvalet


gelesen und war begeistert. Also stöberte ich ein bisschen im Internet und wurde neugierig auf die Autorin. Ein kurzer und sehr netter Mailkontakt brachte dieses tolle Interview hervor. Viel Spass:


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Sie haben selbst den Beruf der Buchhändlerin gelernt. Wie verhalten sie sich, wenn sie eine Buchhandlung betreten? Stöbern Sie oder lassen Sie sich gern beraten?         

Zunächst: Als „gelernter Bücherwurm“ muss ich mich immer zurückhalten, nicht die schief liegenden Bücher auf den Tischen der Buchhandlung gerade zu rücken…J     

Aber im Ernst: Es gibt eine schnuckelige, kleine Lieblingsbuchhandlung in der Nähe,  dort rufe ich an und bestelle, was ich brauche. Amazon & Co.? Nicht mit mir!  

Darüber hinaus stöbere ich gern, ganz besonders in den Buchhandlungen anderer Städte oder auch im Ausland. Von einer Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn in den 1980er Jahren habe ich zum Beispiel einmal einen ganzen Koffer mit wunderschönen deutschsprachigen Klassikerausgaben aus Irkutsk und St. Petersburg mit nach Hause geschleppt.  Was für Schätze, aber auch: Was für ein Geschleppe!!!

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Ich habe seit der 1. Klasse einen Büchereiausweis und war wirklich traurig als meine Bibliothekarin in Rente ging. Sie waren auch 27 Jahre lang Bibliothekarin. Was vermissen Sie? Hatten Sie auch eine besondere Bindung zu den Stammkunden der Bibliothek? 

Stammleser sind für öffentliche Büchereien das Salz in der Suppe: Im Laufe der Jahre lernt man sich gut kennen, Vertrauen entsteht, man weiß um die Lesevorlieben und kann diese schon beim Einkauf der neuen Bücher berücksichtigen. So kann man auf die Leser eingehen und gezielt beraten. Häufig ergeben sich spannende Gespräche über Bücher, aber auch darüber hinaus, und nicht selten kommt man sogar auf ein privates Thema. Das habe ich geliebt, und ja, ein wenig vermisse ich das. Das zweite Standbein sind Schüler, bzw. Schulklassen.  Was für ein Trubel! Doch es ist nicht nur eine wichtige Aufgabe, sondern eine echte Freude, Kindern bei der Auswahl ihres Lesestoffes zu helfen.

Wer ist Ihr Lieblingsschriftsteller?  

Da gibt es viele, u.a. Margaret Atwood, Paul Auster, John Irving, aber auch Tania Blixen, Anna Gavalda, Alberto Vazquez-Figueroa, Andrea Camilleri, Elias Canetti.. und diese Liste ließe sich noch problemlos verlängern!

Welches ist Ihr Lieblingsbuch?  

Ein einziges gibt es nicht, aber „Paul Bowles, Himmel über der Wüste“ lese ich gern immer mal wieder.

Was lesen Sie gerade?  

Ich bin eine berüchtigte Querbeet-Parallel-Leserin. Derzeit lese ich  „Paul Auster, Sunset Park“,“ Jonas Jonasson, Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg“,“ Michael Frayn, Willkommen auf Skios“ sowie mehrere Sachbücher über das Osmanische Reich.


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Haben Sie noch andere Hobbys?   

Na ja, zur Zeit ehrlich gesagt gibt‘ s nur Lesen, Schreiben, Kochen, und dazwischen immer ein wenig Arabisch lernen.

Wie stehen Sie zum Ebook?  

Einerseits kritisch, da das Lesen von Belletristik via Bildschirm - für mich! - wesentlich weniger intensiv ist als bei einem „echten“ Buch. Bei mir behindert das technische Gerät das Versenken in die Geschichte und die emotionale Hinwendung zum Text. Andererseits: besser ein Ebook als gar nicht lesen!! Und für Fach- und Sachbücher entfällt der Gefühlsaspekt  sowieso.

Wer oder was hat Sie zum Schreiben gebracht?   

Meine eigenen Reisetagebücher, die schon bald nicht nur die Erlebnisse des Tages dokumentierten, sondern in denen sich auch immer wieder fiktionale Einschübe fanden: Dieser faltige Oasenbauer, der da neben seinem mageren Esel gebückt des Weges geht: Drücken ihn vielleicht Sorgen? Welche könnten das sein?  Oder dieses junge Mädchen, das in Staub und Hitze die Ziegen hütet: Sollte sie nicht in der Schule sitzen? …Und schwupps, schon war eine kleine Geschichte entstanden. Allmählich wurden daraus längere Texte mit mehreren Handlungssträngen und irgendwann gab es den ersten Roman von 380 Seiten. Niemand wollte ihn verlegen (aus gutem Grund, wie ich heute weiß!) und so liegt er in der berühmten Schublade, wo viele Autoren ihre nicht veröffentlichten Erstlinge aufbewahren.

Woher kam die Idee für das Buch bzw. die Reihe?  

Irgendwann packte mich der Gedanke, das Gemeinsame der Kulturen diesseits und jenseits des Mittelmeeres als Basis einer abenteuerlichen Entwicklungsgeschichte zu verwenden. Schließlich schufen die alten Handelswege hinüber und herüber seit vorrömischen Zeiten Verbindungen zwischen den Ländern Europas, Nordafrikas und des Nahen Ostens, respektive  zwischen der christlichen, der jüdischen und der islamischen Welt. Neben sagenhaften Schätzen aus den Tiefen des „schwarzen Kontinents“ hatten die großen Karawanen ja immer auch neue Ideen und fremdes Wissen im Gepäck. Mit diesem Ansatz war es ein Leichtes, Mirijams Geschichte zwischen Antwerpen und Mogador auszuarbeiten.  

Sie reisen viel (Nordafrika, Marokko, Syrien). Können Sie bestimmte Gegenden besonders empfehlen? Haben Sie dort Freundschaften geschlossen, die Sie zu bestimmten Charakteren inspiriert haben?   

In Süd-Marokko z.B. ist nicht nur das individuelle Reisen leicht, man erlebt darüber hinaus auch ein immer noch sehr authentisches und eigenwilliges fremdes Land mit atemberaubenden Landschaften und ungewöhnlich aufgeschlossenen, freundlichen Menschen. In Marokko, aber auch in Tunesien und Ägypten sollte man halt nicht nur Badeurlaub machen, sondern sich umschauen. Es gibt so viel zu entdecken… Befreundet bin ich mit mehreren Leuten, vor allem mit einer weit verzweigten  Berberfamilie im Tal des Draá, deren Schicksal mich seit Jahren intensiv beschäftigt. Anklänge ihrer Familiengeschichte wird man u.a. im 2. Band der Marokko-Saga „Perlen der Wüste“ wiederfinden…

Wie lange dauerte das Schreiben? Wie sieht Ihr Schreiballtag aus?     

Während der Arbeit an „Das Leuchten der Purpurinseln“ war ich Vollzeit berufstätig und konnte nur am Wochenende und im Urlaub schreiben. Daher hat es vier Jahre gedauert, bis ich das magische Wort „Ende“ unter die 700 Seiten setzen konnte. Inzwischen liegt mein beruflicher Schwerpunkt völlig  auf dem Schreiben, sodass der Folgeroman in weniger als zwei Jahren fertig wurde.  In meiner kreativsten Schaffenszeit, dem frühen Morgen und Vormittag, konzipiere und schreibe ich neue Szenen, die ich mit etwas Abstand am Nachmittag des folgenden Tages überarbeite. Manchmal klappt das nicht so reibungslos, wie man annehmen könnte, aber das Wichtigste, ist das Weitermachen. Als Autor trägt man seine Arbeit sowieso immer mit sich herum und der Text arbeitet unentwegt in einem weiter. Man muss also lernen, Geduld mit sich zu haben.

Was für ein Gefühl ist es das Buch jetzt stapelweise in den Buchhandlungen zu sehen? 

Es ist aufregend und eine wirklich große Freude. Aber noch überwältigender war es für mich, das allererste Vorabexemplar, das mir meine Lektorin drei Wochen vor Erscheinungstermin  zuschickte, in Händen zu halten. Ein bisschen ungläubig habe ich den dicken Schmöker von allen Seiten besehen, befühlt und gestreichelt, drin herumgeblättert … Und dann musste ich es sofort Jedem zeigen, der sich nicht rechtzeitig in Sicherheit bringen konnte!




Ist es richtig, dass der zweite Teil „Die Perlen der Wüste“ heißen soll und im Sommer 2013 erscheint? Kann man schon was verraten? Geht es wieder um die gleichen Protagonisten oder um die nächste Generation?    

„Die Perlen der Wüste“ wird tatsächlich im Mai/Juni 2013 als Blanvalet-Taschenbuch erscheinen, und zwar mit einem wunderschönen Cover, das die LeserInnen in die Weiten der Wüste lockt… Viel verraten kann ich natürlich noch nicht. Vielleicht dies: Mirijam und Miguel müssen sich ordentlich um das von ihrer eigensinnigen Tochter Sarah angerichtete Desaster sorgen…

Herzlichen Dank für die wirklich schöne Rezension, Sonja! Und dafür, dass Sie mir hier Gelegenheit geben, ein wenig aus meinem „Nähkästchen“ zu plaudern.


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Vielen Dank für das Interview. Ich melde mich schon mal freiwillig als Testleserin für den zweiten Band J



Das Copyright bei diesem Interview liegt bei kleeblatts bücherblog. Eine Vervielfältigung, ein teilweiser Auszug sowie die Benutzung der Bilder darf nur mit ausdrücklicher Genehmigung von uns bzw. der Autorin vorgenommen werden.

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