Freitag, 19. Oktober 2012

Interview // Chris P. Rolls

Mit ihren Gay-Romanen hat Chris P. Rolls ein Kapitel aufgeschlagen, an das sich nicht viele Autoren wagen. „Die Sache mit Jo und Mo“ sowie „Kavaliersdelikt“ sind typische Jugend-Romane, die Reihe „Pegasuscitar“ ist dann jedoch ein ganz anderes Genre und geht in den Fantasybereich. Und die Reihe „Die Anderen“ ist ein voller Erfolg.

Quelle: Chris P. Rolls

Kleeblatt: Chris, hast Du damit gerechnet, dass Du mit dem Thema „Homosexualität“ so ein breites Publikum ansprechen kannst?
Chris: Nein, definitiv nicht. Bis vor zwei Jahren hielt ich mich noch für anders, dass ich solche Geschichten schrieb und entdeckte da erst, dass es auch andere Autoren in diesem Genre gibt und vor allem Leser wie mich.

Kleeblatt: Nicht jeder kommt damit zurecht. Aber was fasziniert Dich an diesem Thema?
Chris: Viele Faktoren. Zum einen ist es weit vom Mainstream weg. Mich fasziniert es unglaublich, mich in Charaktere hineinzufinden, die schwierig sind oder mich herausfordern. In diesem Genre eröffnen sich mir viel mehr Möglichkeiten, ganz besonders kombiniert mit Fantasy.
Es gibt unglaublich viele Heteroromane, mir gefällt es, Neues zu schaffen, andere Bereiche zu betreten. Liebe ist dasselbe Gefühl. Der Rest ist Einfühlungsvermögen, Fantasie und Recherche.

Kleeblatt: Ich war zu Anfang skeptisch. Die Bücher "Die Sache mit Jo und Mo" sowie "Kavaliersdelikt" fand ich gerade für Jugendliche ganz gut. Aber  mit deinen Geflügelten (Pegasuscitar) hast Du mich vollkommen gefangen. Dafür hast Du eine eigene Welt erschaffen. Wie erschafft man so etwas? Wie kommt man auf die Namen, Ortschaften und Ländereien?
Chris: Ich liebe es, mir neue Welten auszudenken. Die meisten dieser Fantasywelten, so auch die von Pegasuscitar, entstanden beim Schreiben und wachsen immer weiter, wenn die Charaktere darin agieren. Ich mag es, mir andere Gebräuche, Sitten, Glauben, Gegebenheiten usw. auszudenken. Bei den Geflügelten kamen z. B. auch spezielle Sprichwörter oder Redewendungen dazu. Die vielen Völker, von denen man in den beiden Bänden nur einen kleinen Teil kennenlernt, und unterschiedlichen Landschaften werden mir vermutlich noch Material für weitere Bände bieten. Dahin kehre ich gerne zurück.
Meistens sind erst die Charaktere da und dann überlege ich, wie sie zu dem wurden, was sie sind. Wie war ihre Kindheit, wo leben oder lebten sie, was hat sie geprägt? Welche Besonderheiten will ich ihnen mitgeben? Da heraus erwachsen Ideen für ihre Heimat, die Landschaften und Sitten ihres Volkes.
Die Namen entstehen sehr oft durch Lautmalereien, der Klang entscheidet, ob er zum Charakter passt. Viele Namen entstehen hingegen auch, in dem ich einfach Bezeichnungen der Gegenstände um mich herum ansehe und aus den geschriebenen Worten neue ableite.

Kleeblatt: Das für Pegasuscitar vielleicht Fortsetzungen geplant sind, höre ich natürlich gerne. Dieser Genre-Bereich fasziniert mich nämlich immer mehr. Was liest Du denn gerne?
Chris: Fantasy. Und natürlich vor allem homoerotische Fantasy. Reine Liebesromane reizen mich weniger, selbst wenn sie von schwulen Charakteren handeln.

Kleeblatt: Es muss also etwas ausgefallenes sein. Hast Du ein Vorbild?
Chris: Nicht direkt. Es gibt viele Autoren, deren Bücher ich gerne lese, doch direkt ein Vorbild habe ich nicht.

Kleeblatt: Mal weg von den Büchern. Uns interessiert auch mal die private Chris. Wo machst Du gerne Urlaub?
Chris: *lach* Was ist das? Urlaub in dem Sinne habe ich nicht, da ich selbstständig bin. Ich genieße es, zu Pferde auf Wettkämpfen andere Länder und Landschaften zu erleben. Ich würde allerdings gerne mal nach Venezuela reisen. Das Land fasziniert mich.

Kleeblatt: Stichwort: Pferde. Das ist Deine zweite Leidenschaft (neben dem Schreiben natürlich). Was machst Du, wenn Du nicht gerade schreibst oder reitest? Gibt es noch andere Hobbies?
Chris: Es gab andere, wobei diese lange nicht mehr zum Zuge kamen. Ich male gerne Aquarell und Pastell und habe einige Zeit Miniaturen gebastelt. Leider komme ich seit ich so intensiv schreibe neben meiner Arbeit mit den Pferden nicht mehr dazu.

Kleeblatt: Aber Zeit zum Essen wirst Du haben. Ich bin ein Nudelfan. Was kommt bei Dir so auf den Tisch?
Chris: Bei Nudeln würde ich glatt mit einsteigen. Allgemein liebe ich italienisches Essen. Mit Tomate-Mozzarella kriegst du mich immer. Ich esse auch gerne chinesisch, nur Scharfes überhaupt nicht.

Kleeblatt: Über das Internet kommst Du in Kontakt mit Deinen Lesern und Fans. Hat das Internet eine besondere Bedeutung für Dich?
Chris: Oh ja. Ohne könnte ich mir nicht mehr vorstellen. Ich habe so unglaublich viele interessante Menschen darüber kennengelernt und täglich kommen neue dazu. Besonders, wenn man diese dann auch live auf Lesungen oder Messen erlebt. Ich finde es großartig, mich mit Leser über die Geschichten und Charaktere zu unterhalten, könnte ich stundenlang.

Kleeblatt: Familie und Freunde sind sehr wichtig. Was sagen sie zu Deiner Wahl, über Homosexualität zu schreiben?
Chris: Meine Familie hat sich schon länger her aus anderen Gründen von mir getrennt und ganz besonders meine Mutter wäre ganz gewiss nicht davon angetan, da sie eher homophob ist. Ich habe jedoch keinen Kontakt zu ihr und das ist auch gut so. Von meinen Freunden wissen es ein paar und die finden es durchaus interessant, lesen teilweise auch meine Romane.

Kleeblatt: Zum Abschluss noch meine „Traditions“frage: Was ist Dein Lieblingszitat?
Chris: „Nur wer seinen eigenen Weg geht, kann von niemandem überholt werden.“

Herzlichen Dank, Chris, für das nette Interview. Schön, auch mal hinter die Kulissen schauen zu dürfen.
Auf diesem Wege wünsche ich Dir weiterhin viel Erfolg.

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