Freitag, 5. April 2013

Interview: Claudia Brendler


Ein Jahr schlich ich um das Buch Eiertanz herum. Ich war mir nicht ganz schlüssig, ob mir ein Buch mit Dialekt gefällt. Zwischenzeitlich vergaß ich auch den Titel und konnte mich nur an das Motiv Huhn mit rosa Karos erinnern. Was macht man da, man zückt das Fotohandy und kauft es dann doch mit ein bisschen Verzögerung .....

© Sonja Kochmann


Belohnt wurde ich wie man an den Rezensionen zu Eiertanz und Paarungszeit erkennen kann. Aufgrund des sympathischen Schreibstils wurde ich neugierig und stöberte ein bisschen hier und da im Internet und es kam zu einem netten Wortwechsel mit der Autorin, die sich netterweise für ein Interview zur Verfügung gestellt hat:

© Claudia Brendler



Woher kam die Idee für die Bücher mit Dialekten?

Ich habe schon immer Dialekte geliebt, auch in der Bühnencomedy, konnte aber nicht allzu viele Dialekte nachahmen. Mit den Queens of Spleens waren wir lange oder und oft in Bayern auf Tour, wir haben den Dialekt ebenso lieben gelernt wie das bayerische Bier. Im Programm der Queens of Spleens gibt es deshalb zwei bayerische Lieder, dh, wir haben uns auch ernsthaft mit bayerischer Volksmusik beschäftigt, um sie dann zu parodieren. Ich finde, im Dialekt sind die Leute menschlicher, klingen ehrlicher, zum Teil auch lustiger. Es gibt liebevollere, natürlich auch derbere und mitunter viel treffendere Bezeichnungen für vieles. Und es gibt einige Gelegenheiten für Sprachverwirrungen, besonders, wenn auch noch eine Fremdsprache dazu kommt. Dann passieren Missverständnisse, man versucht, mit anderen Mitteln zu kommunizieren, es wird lustig und interessant.

Wie stehen Sie zu den anderen Büchern mit „Lokal Kolorit“?

Ehrlich gesagt, kenne ich gar nicht so viele. Einige, die auch Bayern zum Thema haben, habe ich natürlich zu Forschungszwecken gelesen: Krimis. Jörg Maurer, Rita Falk und Andreas Förg. Einfach, um zu schauen, wie sie den Dialekt einbauen. Gerade bei Andreas Förg hat mir das Lokalkolorit sehr gut gefallen, das Bayrisch war bei ihm eher dezent, aber es passte genau zu den Figuren und zur Geschichte. Und bei uns Hessen, unübertroffen: „Erna, der Baum nadelt. Ein botanisches Drama am Heiligabend“, von Robert Gernhard (sowieso einer meiner „Götter“) Bernd Eilert, Pit Knorr. Uralt, aber immer noch superkomisch.

Wie lange dauerte das Schreiben?

Mit Recherche schon ein knappes Jahr pro Buch. Ich war mit beiden etwas knapp dran, hatte auch nebenher noch ein anderes Projekt; dann habe ich noch einiges umgeworfen, und es wurde bei beiden gegen Ende relativ stressig, ein Schreibmarathon. Ich habe praktisch im Roman gelebt.

Wie lange dauerte es, bis Sie einen Verlag für Ihr Buch gefunden haben?

Bei den beiden Komödien nicht lang. Aber ich war ja schon relativ erfahren, fünfzehn Jahre Schreiben für die Bühne und Veröffentlichungen in Zeitschriften, mehrere Romanprojekte, zwei literarische Agenturen, so langsam wusste ich, mit welchen Themen man gute Chancen hat. Und ich habe eine sehr gute Agentin.

Wer oder was hat Sie zum Schreiben gebracht?

Das fing als Kind schon an. Passend dazu konnte ich sehr früh lesen und schreiben, da bot es sich an. Und es hörte nicht auf. Im Gymnasium schrieb ich Stücke für das Schultheater, dann meinen ersten (unveröffentlichten) Roman, und so ging es immer weiter, mit vielen Rückschlägen natürlich. Beim Schreiben braucht man ein dickes Fell und viel Geduld.

Wie verläuft ein Arbeitstag bei Ihnen? Wie schreiben Sie?

Meine beste Zeit ist der frühe Morgen, deshalb versuche ich, in dieser Zeit viel zu schaffen und mich möglichst wenig abzulenken. Alles andere, Korrespondenz, Leserunde, Üben für Lesungen, Telefongespräche, versuche ich, in den Nachmittag zu schieben, auch vieles, was Planen und den Plot betrifft. Der Morgen gehört dem Schreiben und der Sprache. Planen kann ich auch recht gut während anderer Tätigkeiten. Mein Arbeitstag verläuft recht diszipliniert, ich versuche auch, ein Seitensoll zu erfüllen. Abschalten fällt mir relativ schwer, das heißt, ich denke auch nach dem Arbeiten eigentlich ständig über das aktuelle Projekt nach.

In beiden Büchern wird mit Augenzwinkern über erotische Bücher berichtet. Mögen Sie dieses Genre? Was halten Sie von Shades of Grey und Co?

Ich habe, ebenfalls zu Forschungszwecken, relativ viele dieser Bücher, oft auch nur Szenen, gelesen. Einfach, weil ich finde, dass in der Beschreibung von Erotik viel (unfreiwillige) Komik steckt. Es gibt ja auch den „Bad Sex Award“, der in England jedes Jahr verliehen wird für die unfreiwillig komischste Sexszene in ansonsten ernster Literatur. Darüber kann ich mich amüsieren. Rein zum Lesevergnügen kann ich mit dem Genre wenig anfangen, auch Shades of Grey habe ich recht flüchtig gelesen und konnte speziell dieser Art Erotik nicht viel abgewinnen.

Haben Sie auch Haustiere wie zum Beispiel Picco, der Papagei oder eine große Anzahl Fische?

Schöne Frage, das müsste man eigentlich denken. Aber ich habe kein einziges Haustier. Obwohl ich Tiere, speziell Hunde, sehr mag. Sowohl für die Papageien als auch für die Fische musste ich sehr viel recherchieren, habe mir viel angeschaut und gelesen, mich auch in unzähligen Foren herumgetrieben, Zum Glück tauschen sich gerade die Fischfans recht ergiebig aus. So kam ich auch aufs Fischforum. Allerdings geht es in den echten Fischforen nicht so zur Sache, wie in dem von mir ausgedachten Forum.

Wer sind Ihre Lieblingsschriftsteller?

Ralf Rothmann, Michael Köhlmeier, Jenny Erpenbeck, Robert Gernhardt. Gut, dass Sie in der Mehrzahl fragen, mich für einen/eine zu entscheiden fällt mir schwer.

Was ist Ihr Lieblingsbuch?

Oh, das ist schwierig. Nur eins? Heimsuchung von Jenny Erpenbeck ist großartig.

Was lesen Sie gerade?

Atlas eines ängstlichen Mannes von Christoph Ransmayr. Auch ein tolles Buch.

Wie stehen Sie zum Ebook?

Ich habe noch keinen Reader! Noch kann ich mich nicht daran gewöhnen. Aber irgendwann werde ich einen haben, und sicher werden immer Menschen Ebooks lesen. Das Ebook eröffnet neue Möglichkeiten für Indie-Autoren, das finde ich interessant. Ich glaube aber, dass es noch eine ganze Weile Bücher geben wird, neben den Ebooks. 

Was hat es mit Queens of Spleens auf sich?

Wir sind schon sehr lange ein Musik-Comedy Duo, meine Bühnenkollegin und ich. Zusammen haben wir sieben Bühnenprogramme geschrieben und gespielt, sind in Kleinkunsttheatern überall in Deutschland, der Schweiz und Österreich aufgetreten, auch in einigen Fernsehsendungen. Jetzt machen wir gerade ein „Best of“-Programm, das Beste (oder für uns Schönste) aus so vielen Jahren. Auch, um zu feiern, dass es uns gibt, dass wir beide uns nach so langer Zeit und intensivem Touren immer noch gut verstehen. Das haben nur wenige Duos geschafft.

Sie haben Philosophie, Germanistik und Englisch studiert. Wollten Sie schon immer Autorin werden?

Ja. Es gab aber immer noch die andere Leidenschaft, die Musik. Deshalb habe ich auch Gitarre studiert, und es ging eigentlich immer zwischen dem Schreiben und der Musik hin und her. Die Bühnencomedy mit viel Musik und Text ist etwas, das beides berücksichtigt und noch besser kann ich Text und Musik bei den Lesungen zusammenbringen, bei denen ich viel Gitarre spiele.

© Claudia Brendler


Welche/n Autor/in würden Sie gerne mal treffen? Welche Frage würden Sie ihm/ihr stellen?

Ich habe gerade Michael Köhlmeyer auf einer Lesung gesehen und mir Bücher von ihm signieren lassen. Immer würde ich gern wissen, wie die von mir bewunderten Autoren arbeiten.  Dies alles in eine Frage zu packen, ist schwer. Ich würde in einem Fall nach der Rolle oder der Stimme des Erzählers fragen, in einem anderen nach den Figuren, in einem dritten nach der Gesamtstruktur; ich würde meinen Lieblingsautoren gern ablauschen, wie sie auf ihre poetischen Bilder kommen. Aber darüber, wie über so vieles, kann man nicht reden. Interessant finde ich immer, wenn Autoren, von denen ich lernen will, Poetikvorlesungen halten, ich kaufe sie mir dann meist, wenn sie als Buch herauskommen. In diesen Vorlesungen werden viele Fragen beantwortet. 

Vielen Dank für das Interview und ich bin gespant auf Band drei ;)


© Sonja Kochmann


Das Copyright bei diesem Interview liegt bei kleeblatts bücherblog. Eine Vervielfältigung, ein teilweiser Auszug sowie die Benutzung des Bildes darf nur mit ausdrücklicher Genehmigung von uns bzw. der Autorin vorgenommen werden.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen