Montag, 29. April 2013

Interview: Ursula Poznanski

Obwohl ich nach Erscheinen die Bücher "Erebos" und "Saeculum" immer mal wieder in der Hand hatte, habe ich es immer wieder weggelegt. 2012 packte es mich dann und ich habe alle Bücher von Ursula Poznanski verschlungen und alle mit Bestnoten bewertet 
(s. Verlinkungen zu den Rezensionen unten).
 Aus Neugier stöberte ich ein bisschen im Netz und postete die Rezensionslinks auf der Facebookseite der Autorin. Es ergab sich ein netter Austausch und Anfang des Jahres durfte ich der Autorin Fragen stellen. Die Buchmesse, das Erscheinen des neuen Buches "Blinde Vögel" und das Schreiben der Fortsetzung "Die Verratenen" haben das Ganze etwas verzögert, doch hier ist das langersehnte Interview:

©  Doris Bretterbauer


Sie haben Japanologie, Publizistik, Rechtswissenschaften, Theaterwissenschaften studiert. Wer oder was hat Sie dann zum Schreiben gebracht?

Ich habe immer gern geschrieben, auch während meines Studiums – damals aber ohne die Absicht, veröffentlicht zu werden. Meine Studien habe ich alle nicht abgeschlossen, aber ich habe einen schreibenden Beruf ergriffen – Journalistin. Ideal für mich, dachte ich, weil ich damals mit kurzen Texten viel besser zurecht gekommen bin als mit langen.

Wollten Sie schon immer Autor/in werden? Haben Sie mit dem großen Erfolg Ihrer Bücher gerechnet und wie kommen Sie mit der Popularität zurecht? Lässt sich dies alles gut mit Ihrem Job als Medizinjournalist vereinbaren?

Ich war lange nicht sicher, was ich werden sollte. Der Autorenberuf war einer, den ich mir sehr schön vorgestellt habe, gegen den aber eine Menge Vernunftgründe gesprochen haben. Was den Erfolg betrifft, so kann man damit seriöserweise nicht rechnen, nur darauf hoffen. Das habe ich natürlich getan – überrascht hat mich die Resonanz auf „Erebos“ aber trotzdem. Popularität ist für Autoren übrigens kein großes Thema. So lange man nicht regelmäßig im Fernsehen auftaucht, kennen die Leser viel eher die Bücher eines Autors als sein Gesicht. Ich werde eigentlich nur auf Buchmessen und gelegentlich in Buchläden erkannt. Sonst nie.
Meinen Job als Medizinjournalistin habe ich vor einiger Zeit an den Nagel gehängt, weil er sich mit dem Bücherschreiben nicht mehr vereinbaren ließ.

Wie lange dauerte es, bis Sie einen Verlag für Ihr erstes Buch gefunden haben?

Mein allererstes Buch war eines für Kinder von ungefähr sechs Jahren, es hieß „Buchstabendschungel“ und ich habe meinen Verlag damals auf die klassische Art gefunden: das Manuskript an fünf Verlage auf einmal geschickt und dann gewartet. Ich habe wirklich Glück gehabt, ein österreichischer Kinderbuchverlag hat sich innerhalb von zwei Wochen gemeldet und das Buch ein Jahr später herausgebracht.

Wie schreiben Sie? Wie verläuft ein Arbeitstag bei Ihnen?

Unterschiedlich. Wenn außer Schreiben nicht viel auf dem Programm steht, setze ich mich kurz nach acht an den Computer, allerdings dauert es dann oft ein oder zwei Stunden, bis ich wirklich anfange. Manchmal auch länger. Aber es gibt immer Mails zu beantworten, organisatorische Sachen zu erledigen, etc. Mein Ziel ist es, jeden Tag 1300 Worte zu schreiben – das klappt nicht immer, aber doch recht häufig. Wenn ich damit fertig bin, habe ich frei.

Wer ist Ihr Lieblingsschriftsteller?

Ich habe keinen erklärten Lieblingsschriftsteller, es gibt so viele großartige Autoren.

Was ist Ihr Lieblingsbuch?

Damit verhält es sich ähnlich wie mit den Schriftstellern. Aber ich liebe „Melodien“ von Helmut Krausser sehr, oder „Das Foucaultsche Pendel“ von Umberto Eco.


© Sonja Kochmann


Woher kam die Idee für das Buch „Erebos“?

Der Anreiz, das Buch zu schreiben, kam eigentlich aus der Idee heraus, dass ein Computerspiel eine perfekte "Gegenwelt" sein kann, vergleichbar mit den fremden Welten in Fantasyromanen. Ein gut gemachtes Spiel kann den Spieler absorbieren, ihn aus der Realität in die Spielewelt hineinziehen – das in einem Buch zu verarbeiten, hat mich fasziniert. Trotzdem ist es meiner Meinung nach keine Geschichte die von Spielsucht handelt, sondern von Manipulation.

Sie üben selbst das Hobby Geocaching aus. Was war ihr schönster Fund? Gab es andere Jagdsituationen an die Sie sich gern erinnern? Haben Sie noch andere Hobbys?

Es gab eine Menge schöner Funde, ganz besonders toll fand ich einen magnetischen Cache, an dem wir sicher zehn Mal vorbeigelaufen sind, weil wir ihn für etwas ganz anderes gehalten haben. Schnitzeljagden und Rätselrallys mochte ich immer schon gerne.
Für Hobbies war in den letzten Jahren nicht allzu viel Zeit, aber ich liebe das Schifahren, lese natürlich viel und fotografiere oft, wenn auch nicht so gut, wie ich gerne möchte.

Saeculum und Fünf spielen überwiegend in der Natur. Halten Sie sich dort gern auf?

Ja, absolut. Besonders im Wald fühle ich mich sehr zu Hause.

Es gibt nur einen Teil Ihrer Bücher als Ebook. Wie stehen Sie zum Ebook?

Es ist eine tolle Erfindung, besonders für unterwegs. Trotzdem kaufe ich mir laufend „normale“ Bücher, weil ich einfach das haptische Erlebnis nicht missen möchte. Wie ein Buch riecht, wie es sich anfühlt … da kann das Ebook niemals mithalten.

Welche/n Autor/in würden Sie gerne mal treffen? Welche Frage würden Sie ihm/ihr stellen?

Unerfüllbar, aber wenn ich die Wahl hätte, dann Sheakespeare. Schon um zu erfahren, ob es ihn wirklich gegeben hat aber vor allem natürlich, um zu sehen, wie ein Mann, der so unvergleichlich großartige Dinge geschrieben hat, als Mensch war. Und ein bisschen in der Hoffnung, dass Genie abfärbt.


Gesehen auf der Leipziger Buchmesse 2013 
© Sonja Kochmann


Die Fortsetzung von „Fünf“ mit Beatrice Kaspary („Blinde Vögel“) ist im April 2013 erschienen. Können Sie etwas darüber verraten? Wie viele Bände sind mit Beatrice Kaspary geplant?

In „Blinde Vögel“ spielt das Internet eine große Rolle, ganz konkret gesagt Facebook. Es werden zwei Tote gefunden, zwischen denen es dem ersten Anschein nach keine Verbindung gibt, doch dann stellt sich heraus, dass sie beide in einer Facebook-Gruppe aktiv waren, die sich mit Gedichten beschäftigt. Zu dieser Gruppe zu gehören erweist sich im Verlauf des Romans als ziemlich ungesund.
Wie viele weitere Bände es mit Beatrice noch geben wird, weiß ich selbst nicht genau – aber zumindest zwei sollten es sein.


© Sonja Kochmann


Und wie geht es weiter mit den Verratenen?

Da erscheint der zweite Teil im Oktober. Fertig geschrieben ist er schon, im Moment wird er gerade lektoriert.

Wie stehen Sie zu Buchreihen? Sind Sie davon begeistert, oder mögen Sie lieber Einzelbücher?

Ich mag beides. Als Autorin gibt mir eine Buchreihe die Möglichkeit, eine sehr große Geschichte zu erzählen, die ich rein platzmäßig nicht in einen Einzelband packen könnte. Außerdem muss ich die Figuren, die mir über ein Buch hinweg ans Herz gewachsen sind, nicht gleich wieder verlassen. Ein Einzelband hat den Vorteil, dass die Leser nicht auf Fortsetzungen warten müssen. Ich kann gut verstehen, dass das lästig ist.

Welche Pläne/Ideen wollen Sie literarisch noch verwirklichen?

Im Moment wäre ich höchst zufrieden, wenn ich so weiterschreiben könnte wie bisher. Vielleicht mache ich noch den einen oder anderen Ausflug in Genres, die ich bisher noch nicht ausprobiert habe, wer weiß.

Sie leben in Wien. Eine sehr interessante Stadt. Ich habe an einem verlängerten Wochenende selbst gemerkt, dass man gar nicht alles anschauen kann. Was würden Sie Kurzurlaubern besonders empfehlen?

Ich würde zumindest ein Museum besuchen – das kunsthistorische liebe ich besonders, allein wegen der Architektur der Eingangshalle, aber auch die Nationalbibliothek ist wunderschön; ein echtes Wiener Kaffeehaus besuchen, durch die Innenstadt spazieren oder durch die Parkanlagen von Schloss Schönbrunn, auf den Naschmarkt gehen und danach wieder ins Kaffeehaus oder ins Theater.

Vielen Dank für das ausführliche Interview!



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