Freitag, 19. April 2013

Lesung: Edward Kelsey Moore - Mrs Roosevelt und das Wunder von Earl's Diner von SONJA

Vergangenen Dienstag ging ich (mal wieder) zu einer Lesung. Doch diesmal war es aus einer Vielzahl von Gründen etwas ganz Besonderes:

1. Ich war Gast des Verlages und durfte bei den musikalischen Proben (später mehr dazu) dabei sein und ich durfte vorher mit etwas sprachlicher Unterstützung von Berit Böhm (Danke nochmals) den Autor vor der Lesung interviewen. Dadurch dass sich der Herr vom NDR verspätete, wurden aus den geplanten 10 Minuten 30 Minuten und wir gerieten ins Plaudern, was sich auch durch die lockere sympatische Art des Autors ergab:


© Sonja Kochmann

Die Idee für das Buch mit den drei unterschiedlichen Frauen ergab sich aus einem Gespräch mit einem Freund. Es ging um Tapferkeit und Courage, so dass er gedanklich Odette entwarf, die tapfer ist und keine Angst fühlt.

Er selbst stammt aus einer Familie, wo die Frauen nach den Familienfeiern beim Aufräumen viel und gern miteinander gesprochen haben. Er hat dabei immer zugehört. Doch keine Angst in dem Roman "Mrs. Roosevelt und das Wunder von Earl's Diner" werden keine Familiengeschichten verraten. Es war die Art und Weise wie die Fraen sich unterhalten haben, die den damals noch kleinen Edward Kelsey Moore fasziniert haben. Als Kind habe er sich auch am Liebsten in der Bücherei aufgehalten, wo Geschichten immer präsent waren.


© Sonja Kochmann

Sein Vater war Baptistenprediger und von der Art des Auftretens und seinem Verhalten wie Big Earl aus dem Buch. Jeder sollte so eine Vater haben und von ihm unterstützt werden. Auch die eigene Nähe zur Religion machte es ihm möglich, in seinem Debutroman die Religion auch mit einem zwinkernden Auge darzustellen.

Die Frage, welches seine Lieblingsfigur in dem Buch sei, wurde spontan mit "Mama" beantwortet und ich muss sagen, dass ich die jointrauchende alte Dame auch sehr mag, obwohl ich ja eigentlich mit einer der drei Supremes als Antwort gerechnet hätte. Ganz vorn im Ranking mit dabei ist auch Mrs. Roosevelt, da er es lustig fand, eine hoch angesehene Frau, die viel für die armen Leute in Amerika getan hat, nach ihrem Tod als etwas fies, versoffen und zänkisch darzustellen. Auch die Idee einer Wahrsagerin, die immer falsch liege, fand er besonder witzig.

Odette kann im Buch Geister sehen und mit Ihnen sprechen. Dies ist jedoch kein reiner Fantasyeinfluss. Sondern vielmehr eine Erinnerung aus der Gegenwart in die Vergangenheit. Den lange Freundschaften und auch lange Beziehungen wirken (auch wenn sie zurückliegen) in die Gegenwart.


© Sonja Kochmann

Das Schreiben dauert 2 1/2 Jahre und der Autor bediente sich als Hilfe für das Schreiben nicht etwa wie bei manch anderen Autoren üblich seiner Familie, sondern tauschte sich in einer Schreibgruppe aus. Im Nachhinein vertritt er die Meinung, dass dies einiges erschwert habe. Da er keine literarische Ausbildung habe, bediente er sich der musikalischen Darstellungsweise von Sinatra. Ich muss sagen, dass hat hervorragend geklappt und ich bin gespannt wie der zweite Roman wird, der bereits geschrieben wird, aber über den leider noch nichts verraten wird.


© Sonja Kochmann

Es könnte jedoch sein, dass es wieder einen Bezug zu einigen Personen aus Plainview gibt. Diesen Ort gibt es übrigens nicht. Er ist dem Herkunftsort seiner Mutter Summersville in Kentucky nachempfunden.


© Sonja Kochmann

Im Klappentext des Buches wird darauf hingewiesen, dass der Autor gern musiziert, schreibt und gärtnert. Auf die Frage, welches davon seine Lieblingstätigkeit wäre, antwortete er überraschenderweise gärtnern, wobei die Blumen eher vernachlässigt werden würden, da er gern isst und damit das Gemüse den Vorzug in seinem Garten erhält.

2. Wie bereits oben angeführt ist der Autor eigentlich Cellist im Orchester von Chicago. Die Lesung wurde mit Unterstützung des NDR Musiker Oliver Mascarenhas mit dem Stück "Der Schwan" von Saint-Saens eröffnet.


© Sonja Kochmann

Auch für jede seiner Hauptfiguren hat der Autor zwischen den einzelnen Leseabschnitten ein besonderes Stück vorgetragen. Es war wunderschön und auch interessant, wie vertieft ein Musiker in seine Musik sein kann. 

Seine Tätigkeit als Cellist auf Hochzeiten hat ihm übrigens zahlreiche Vorlagen für die chaotische Hochzeit aus dem Buch geliefert, denn er hat schon einige flüchtende Tiere, Streitigkeiten und Pannen erlebt. 

3. Ein weiteres Highlight war auch der auf deutsch gelesene Part. Dieser wurde von Regina Lemnitz übernommen. Das sagt Dir/Ihnen nichts?! Doch bestimmt. Es handelt sich um die deutsche Stimme von Whoopie Goldberg, Roseanne und Berta aus "Two and a half Men". Es war genial: Regina Lemnitz hat nicht einfach gelesen. Sie hat die einzelnen Figuren gespielt. Hier merkte man deutlich  dass sie nicht nur Synchronsprecherin, sondern auch Schauspielerin ist. 
Die Passagen mit den Schimpfwörtern waren so flammend vorgetragen  dass sogar Edward Kelsey Moore meinte, einige Personen würden jetzt nur noch auf deutsch in seinem Kopf sprechen. Es werde also Zeit deutsch zu lernen.


© Sonja Kochmann

Beendet wurde die Lesung mit einer Zugabe von Oliver Mascarenhas und ich muss sagen, es war eine der abwechslungsreichsten Lesungen auf der ich bislang war. Hier war für jeden etwas dabei: Ein Autor zum Anfassen, eine temperamentvolle Lesung auf deutsch, wundervolle Musik und das alles in einer Buchhandlung die familiär geführt wird und dadurch eine besondere Atmosphäre bietet.

© Sonja Kochmann

Vielen Dank an alle die diesen Abend mitgestaltet haben.

© Sonja Kochmann

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1 Kommentar:

  1. Das sieht nach eine echt schönen Lesung aus :-) Das macht mich gleich neugierig auf das Buch :-)

    LG Scatty

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