Sonntag, 7. Juli 2013

Interview: Heike Fröhling


Vor einiger Zeit habe ich mich für ein Leseexemplar bei der Leserunde mit Heike Fröhling bei den buchgesichtern beworben. Leider hatte ich kein Glück...oder doch, denn ein Glücklicher hat sich nicht gemeldet und ich erhielt das Buch doch noch nachträglich. Leider war die Leserunde schon vorbei und da das Buch bei mir so gut ankam (Rezension: HIER), fand ich es schade, dass die Fragen an die Autorin und die Leserunde bei den Buchgesichtern nur für angemeldete Nutzer lesbar waren.

© Sonja Kochmann


Die Autorin Heike Fröhling hat sich netterweise daher für ein Bloginterview zur Verfügung gestellt:

Wer oder was hat Sie zum Schreiben gebracht?
Eine bestimmte Person gab es nicht. Das Schreiben und das Geschichtenausdenken war schon immer Teil meines Lebens. Die Geschichten sind da, wenn ich Dinge lese (meistens in der Zeitung oder Fachbücher) oder Menschen beobachte und mich frage: Was wäre, wenn ...
Diese Überlegungen sind flüchtig, manche nehmen Kontur an und entwickeln sich weiter. Einen Teil davon schreibe ich auf und einen noch kleineren Teil arbeite ich aus.

© Heike Fröhling


Woher kam die Idee für das Buch? Und wie viel Karin steckt in Ihnen?
Die Grundidee ist zusammen mit meinem Agenten entstanden, auch habe ich über die Planung mit Kolleginnen gesprochen. So ist diese Idee vor allem in gemeinsamen Gesprächen entstanden.
Ich habe den Zeitschriftenartikel in Wirklichkeit gelesen, den Karin anfangs versucht, in einer Stresssituation anzuwenden ;-) und mein Sohn hat einen Teddy, der auseinanderfällt. Es ist schwer, Ähnlichkeiten zu finden, da ich die Personen nie an mich anlehne. Mein Schreiben wäre zu langweilig, um es in einem Roman zu verarbeiten, denn ich setze mich hin und schreibe meine vorher vorgenommene Seitenanzahl. Im Gegensatz zu Karin würde sich mein Leben nicht für einen Roman eignen ;-)

Warum spielt das Buch gerade auf Borkum? Es könnte doch auch jede andere Insel sein.
Angedacht war von Anfang an eine Nordseeinsel und da ich den letzten Sommer in Borkum verbracht habe, war es für mich leicht, dort zu recherchieren, mir vorzustellen, was die Romanfigur getan hätte, wo sie hingegangen wäre. Auch mag ich Borkum besonders gern durch die Konzentration auf Meer und Strand dort, es ist eine Insel ohne „Schnickschnack“.

© Heike Fröhling


Wie lange dauerte das Schreiben?
Zweieinhalb Monate.

Wie schreiben Sie?
Ich bin ein Gewohnheitsmensch, liebe feste Tagesabläufe, so beginne ich meistens bevor der Rest der Familie aufwacht mit meiner Arbeit - der Wecker klingelt und ich fange an. Eine besondere Einstimmung oder Atmosphäre brauche ich nicht. Meine Großmutter fragt mich oft: Woher nimmst du nur all die Ideen? Sie sind einfach da und das ist ein Riesenglück!

Sie haben Schulmusik, Germanistik und Musikwissenschaft studiert. Wollten Sie schon immer Autor/in werden?
Ja, seit ich acht Jahre alt war. Das Problem ist nur, dass Autor wie Komponist kein festgelegter Beruf ist, wo man einen bestimmten Studiengang wählt und dann Autor ist. Es spielt neben der Begabung und der Übung auch ein Stück weit Glück mit hinein und da ich Realistin bin, dachte ich mir: Eine Ausbildung, mit der man definitiv Geld verdienen kann, ist nie schlecht.

Wer ist Ihr Lieblingsschriftsteller?
Jodi Picoult. Ich liebe besonders ihre Bilder, wie sie es schafft, in wenigen Sätzen ein Bild vor dem inneren Auge auftauchen zu lassen.

Was ist Ihr Lieblingsbuch?
Das ist schwer zu sagen. Ein konkretes Lieblingsbuch habe ich nicht, aber doch einige, die ich gerne ein zweites Mal lese.

Haben Sie neben dem Schreiben noch Hobbys?
Die Musik, das Musizieren und am meisten das Nähen. Bei meiner Körpergröße findet sich nur sehr schwer Passendes in den Geschäften oder ich gehe in die Herrenabteilung ;-) Inzwischen besitze ich vier Nähmaschinen und 90% der Kleidung in meinem Schrank ist selbstgemacht. Das Schreiben ist immer ein längerer Prozess und beim Nähen habe ich nach kurzer Zeit das Ergebnis in den Händen, das ist das Beste daran.

© Heike Fröhling


Was lesen Sie gerade?
Das Dorf der Mörder von Elisabeth Hermann.

Sie haben ein Handyromanportal gestartet. Wie funktioniert das?
Ich habe viel mit der Technik herumprobiert und mich dann entschieden, die E-Book-Formatierung zu wählen, weil diese durch die Leseapps von Amazon oder den Bluefire Reader zum Beispiel sehr komfortabel auf jedem Smartphone zu lesen sind mit veränderter Hintergrundfarbe, angepasster Schriftgröße. So funktionieren die Handyromane wie ein E-Book, nur ist die Satz- und Kapitellänge auf die kleineren Displays abgestimmt.
Man installiert somit eine Reader-App und lädt den Handyroman aufs Smartphone.

Wie stehen Sie zum Ebook?
Ich persönlich schätze als Vielleserin das E-Book wegen der Unkompliziertheit, viele Bücher zu transportieren und immer dabei zu haben. Zehn ungelesene Bücher ohne großen Platzbedarf in einer Handtasche unterzubringen, das finde ich luxuriös. Gleichzeitig sehe ich die aktuelle Technik bei dem DRM-Schutz als noch nicht wirklich ausgereift, empfinde die verschiedenen Formate als Hemmschuh. Warum kann man nicht in jedem Shop ein Buch kaufen und das auch auf jedem Reader lesen? Dass man für eine Leselizenz fast so viel zahlt wie für ein Taschenbuch, obwohl es keine Option gibt, das Buch zu verleihen und es oft nicht beliebig häufig heruntergeladen werden kann, das ist genauso ein Punkt, mit dem ich hadere.

Wie lange dauerte es, bis Sie einen Verlag für Ihr Buch gefunden haben?
Genau 15 Tage. Aber das ist nicht repräsentativ, da dieses Konzept genau für diese Reihe geplant war. Als Autor kann man nicht davon ausgehen, eine Idee aufzuschreiben und zwei Wochen später einen positiven Bescheid zu bekommen ;-)

Wie stehen Sie zu Buchreihen? Sind Sie davon begeistert, oder mögen Sie lieber Einzelbücher? Können Sie sich vorstellen eine Fortsetzung von Inselsommer zu schreiben?
Eine Fortsetzung von Inselsommer ist nicht geplant. Aktuell bin ich mit ganz anderen Projekten beschäftigt, habe zwei Sagas geplant und arbeite aktuell an einem Familienroman.

© Heike Fröhling


Wollen Sie zukünftig auch in verschiedenen Genres Bücher schreiben?
Auf jeden Fall! Mein Leben ist so lang, da will ich mich nicht endgültig und ausschließlich festlesen bei all den Optionen, die es gibt.

Sie arbeiten auch als Musiklehrerin. Wie verläuft ein Arbeitstag bei Ihnen?
Ich wache um halb sechs auf, beginne zu schreiben. Dafür ist der Vormittag reserviert.
Mittags gönne ich mir immer eine Pause und am Nachmittag unterrichte ich, kümmere mich anschließend um meine Kinder.
Wenn dann um halb zehn oder zehn Ruhe im Haus einkehrt, bin ich auch wirklich müde ;-)

Welche/n Autor/in würden Sie gerne mal treffen? Welche Frage würden Sie stellen?
Da stehen verschiedene Autoren zur Auswahl ... und die frage ich aktuell am liebsten: Hast du Lust und Zeit, meine neue Saga im Tausch gegenzulesen? ;-)

Vielen Dank und wir sind gespannt auf neue Werke.


Quelle: Aufbau Taschenbuch

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