Samstag, 21. September 2013

Interview mit Markus Guthmann von Sina

Markus Guthmann wohnt in der Pfalz, schreibt Krimis in der Pfalz und ist mit Leib und Seele Pfälzer - schließlich ist es ja auch das Höchste, was ein Mensch werden kann ;-)

Quelle: Markus Guthmann
Auf einer Lesung zu seinem neuesten Roman Weinstraßengold durfte ich ihn etwas näher kennenlernen, seine Liebe zu "Dubbegläser" entdecken und auch seinem Gesang lauschen. Näheres zur Lesung könnt Ihr HIER nachlesen.

Quelle: emons:
Da war es natürlich klar, dass ich ihm ein paar Fragen stellen wollte. Frau ist ja schließlich neugierig.

Kleeblatt: Die Weinstraßen-Krimis handeln von dem Staatsanwalt Röder und dessen besten Freund, dem Edelwinzer Hellinger. Wie kamen Sie auf die Idee, ein so ungleiches Paar ermitteln zu lassen?
Markus Guthmann: Ursprünglich dachte ich an einen sarkastischen Einzelgänger wie Philipp Marlow, auch deshalb weil ich ein großer Fan von Chandler und seinen "hard boiled" Krimis bin. Als ich dann die Charaktere mit meiner Frau diskutierte, fragte sie mich, warum denn so viele Ermittler keine Familie haben. Das habe ich mir zu Herzen genommen und meinem Hauptermittler eine Familie mit fünf Frauen verpasst. Wenn ich heute Krimis lese oder schaue, dann muss ich oft schmunzeln und meiner Frau Recht geben. Viele Ermittler, ob Mann oder Frau, haben keine oder gescheiterte Beziehungen und tappen mehr oder weniger einsam durchs Leben.
Das wollte ich so nicht stehen lassen, da ich glaube, dass es auch in diesen - sicherlich manchmal aufzehrenden - Berufen viele Menschen gibt, die glücklich mit ihrer Familie sind.
Meine Krimis haben einen starken regionalen Bezug zu meiner Heimat, der schönen Pfalz. Deshalb musste Wein eine wichtige Rolle spielen. Was liegt also näher, als Röder einen chaotischen Winzer zur Seite zu stellen?
Natürlich sind die beiden sehr unterschiedlich, das war bei der Erschaffung der beiden Figuren wichtig. Schauen Sie sich aktuelle Ermittlerpaare einmal an. Je unterschiedlicher die Charaktere, desto beliebter sind die Krimis. Ein gutes Beispiel sind die Tatortermittler Börne und Thiel, über die man herzlich lachen kann, auch wenn sie manchmal polarisieren.


Quelle: emons:
Kleeblatt: Der 5. Teil Weinstraßengold spielt unter anderem auf dem Bad Dürkheimer Wurstmarkt, dem größten Weinfest der Welt. Was bedeutet der Wurstmarkt für Sie?
Markus Guthmann: Der Wurstmarkt ist eine wichtige Institution für Bad Dürkheim und Umgebung. Auch der Wirtschafts- und Marketingfaktor für unsere Heimat ist nicht zu unterschätzen. Jedenfalls habe ich Freunde, die mir bestätigen, dass sie heute noch auf den Wuma gehen, um Schulkamaraden und andere alte Weggefährten zu treffen, die mittlerweile über die ganze Welt verstreut sind. Ganze Familien nehmen den Wurstmarkt zum Anlaß ihres jährlichen Treffens. Diese Beziehungspflege nennt man im Neudeutschen Networking und wird in der Pfalz wohl seit Jahrhunderten praktiziert. Ich persönlich genieße meine Wurstmarktbesuche, besonders bei den Schubkärchlern. Egal, ob sie mit Freunden oder alleine hingehen, Sie sitzen nie lange alleine und fangen an mit Ihren Sitznachbarn zu babbeln und später abzufeiern. Das schafft schon eine starke Gemeinschaft und ist ein tolles Erlebnis.  

Quelle: emons:
Kleeblatt: Hin zum privaten Markus Guthmann: Was machen Sie, wenn Sie nicht gerade schreiben? Welche Hobbies haben Sie?
Markus Guthmann: Wenn mir meine Familie und der Beruf Zeit lassen und ich nicht an einem Schreibprojekt arbeite, dann bewege ich mich in der Natur. Ich jogge, wandere oder fahre Rad. Und natürlich lese ich gerne.

Kleeblatt: Für Nicht-Pfälzer bestimmt interessant: Was genau muss man sich anschauen, wenn man in der Region ist?
Markus Guthmann: Darüber könnte ich auch ein Buch schreiben und der Platz in diesem Interview würde nicht ausreichen. Einem Fremden, der sagen wir mal nur drei Tage Zeit hat die Deutsche Weinstraße zu erkunden, dem würde ich einen Besuch der Städte Speyer, Neustadt und Freinsheim nahelegen. Es gibt dort überall tolle Lokale und romantische Hotels. Am zweiten Tag sollte er die Weinstraße von Norden nach Süden fahren, bei einigen Winzern haltmachen, ein wenig Wein probieren und die Nacht in der Nähe von Bad Berzabern verbringen. Am besten in Gleiszellen-Gleishorbach, wobei der Besuch der dortigen Weinkerwe ein absolutes Muss ist. Am dritten Tag steht eine Wanderung zu einer zünftigen Pfälzerwaldvereinshütte an. Ich denke da an die Hohe Loog oder den Ungeheuersee.
Wie Sie merken, beschränke ich mich nur auf die Deutsche Weinstraße, käme der Wasgau oder die Westpfalz dazu, dann ist ein Buch schnell gefüllt.

Quelle: emons:
Kleeblatt: Zurück zu den Krimis: Wie geht es weiter mit Röder und Hellinger? Gibt es schon einen kleinen Einblick in Band Nr. 6?
Markus Guthmann: Ja, es gibt ein paar Ideen. Ich denke da an ein zufälliges Wiedertreffen von alten Kameraden aus Ost und West. Flucht, die Stasi und der britische Geheimdienst werden eine Rolle spielen. Ein Kollege von Röder wird umkommen. Vielleicht verlege ich die Handlung in den Winter, denn alle meine bisherigen Weinstraßenkrimis spielen im Frühjahr oder Sommer. In diesem Fall ermittelt Röder auf den pfälzischen Weihnachtsmärkten...

Kleeblatt: Während der Lesung hatten Sie Werbung für kleine Buchläden gemacht, um dort das Buch zu kaufen. Wie stehen Sie zum ebook?
Markus Guthmann: Ich verdamme das eBook und die neuen Medien auf keinen Fall. Ich nutze bespielsweise häufig die Wikipedia, um einen Einstieg in die Recherche zu finden. Früher habe ich dazu tatsächlich die Brockhaus Enzyklopädie benutzt. Aber, ich schmökere nun einmal gerne in echten Büchern und liebe das Fachsimpeln mit den Buchhändlern. Und dann ist da noch der Geruch nach bedruckten Papier, der bei mir ein heimeliges Gefühl auslöst, wenn ich eine Buchhandlung oder auch eine Bibliothek betrete. Das ist schon etwas ganz anderes, als ein Buch unpersönlich über das Internet zu bestellen oder einfach auf ein Lesegerät "downzuloaden".

Quelle: emons:
Kleeblatt: Mal weg vom Buch: Wohin gehts in den nächsten Urlaub? Gibt es ein Land, welches Sie gerne bereisen würden?
Markus Guthmann: Ich bin beruflich ziemlich häufig unterwegs, sodass es mich gar nicht so in die Ferne treibt. Rucksackreisen sind toll, aber heute weiß ich ein gutes Bett und leckeres Essen sehr zu schätzen. Ansonsten mag ich im Urlaub die Mischung. Wenn ich ausreichend Kultur und Bewegung hatte, dann kann ich auch einmal ein paar Tage an einem Ort bleiben und Faulenzen. Aber nur am Stand abhängen ist nichts für mich. Als nächstes stehen wohl ein paar Städtereisen und Radtouren in Europa an.

Kleeblatt: Welches typisch pfälzische Essen können Sie empfehlen? Was ist ihr persönliches Essens-Highlight?
Markus Guthmann: Ich bin tatsächlich ein Saumagenfan, wobei ich ihn am liebsten klassisch esse. Es darf aber auch mal eine Pfälzer-Kombi oder eine Schlachtplatte sein. Bei süßen Gerichten könnte ich mich in Dampfnudeln mit Weinsoße setzen, wobei die obligatorische Kartoffelsuppe nicht fehlen darf. Dazu ausreichend Rieslingschorle und zum Abschluß einen schönen Gewürztraminer. Die besten Dampfnuden gibt es meiner Meinung nach übrigens im Jagdschloß, einer typischen Dorfkneipe in Höningen. 


Kleeblatt: Höningen kann ich auch sehr empfehlen. Wie sieht ein perfekter Tag für Sie aus?
Markus Guthmann: Kuscheln, Laufen, mit der Familie gut Essen und Trinken, danach ein gutes Buch oder einen Absacker mit Freunden.
Dubbeglas
Kleeblatt: Welchen Film haben Sie zuletzt im Kino gesehen? Wie fanden Sie ihn?
Markus Guthmann: Vor ein paar Wochen war ich mal wieder bei Kino Vino, einer tollen Veranstaltung des Europa-Kinos in Grünstadt. Die Zuschauer treffen sich vor der Veranstaltung im Hof und lassen es sich bei Fingerfood und Getränken gutgehen. Klar, dass ein Schoppenstand mit Pfälzer Weinen nicht fehlen darf. Gezeigt wurde "Fliegende Liebende", eine Komödie von Pedro Almodovar. Auch wenn ein paar Gags ganz gut waren, so war der Film insgesamt leider ziemlich dümmlich. Das wird mich aber nicht davon abhalten das nächste Mal wieder auf das Weinfest mit Filmvorführung zu gehen, zumal es in den letzten Jahren immer gute Filme zu sehen gab. Mehr beeindruckt hat mich in letzter Zeit "The East". Ein eher leiser Thriller um eine Undercover-Agentin, die in eine Gruppe von Oköterroristen eingeschleust wird. Auch wenn mich der Schluß nicht ganz befriedigt hat, so ist er ein praller und spannender Bilderbogen über das Leben im Untergrund, Umweltkriminalität sowie Moral und Gewissen.

Kleeblatt: Gibt es Haustiere bei Ihnen zu Hause?
100 % Pfälzerin
Markus Guthmann: Klar. Die Lotte aus meinen Büchern gibt es in Echt. Auch die Dinge, die sie anstellt sind das pure Hundeleben. Jedenfalls macht ein Hund, trotz der großen Verantwortung und Arbeit, jeden Tag ein wenig Spaß.

Kleeblatt: Zum Abschluss eine Traditionsfrage: Wie lauter Ihr Lieblingszitat?
Markus Guthmann: IN VINO PALATII VERITAS. Nein im Ernst, ich finde Sartre toll. Z.B: "Alle Meinungen sind achtenswert, wenn sie aufrichtig sind." oder "Antworten ist leichter als fragen." Als Philosoph bringt er wichtige Lebensweisheiten prägnant und mit wenigen Worten auf den Punkt.

Und um sich mit den berühmten Zeilen der inoffizielen Hymne der Pfalz zu verabschieden: ...awwer onnerschtwu is onnerscht, un halt net wie in de Palz... (YouTube: Palzlied, Die Anonyme Giddarischde).

Herzlichen Dank für das tolle Interview, Herr Guthmann.

Und bitte vergebt mir die Werbung für die schöne Pfalz, aber schließlich bin ich selbst mit Herz und Seele "e Pälzer Mäd" ;-). In diesem Sinne: 






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