Samstag, 18. Januar 2014

Interview: Anna Koschka


Quelle: Droemer Knaur
Quelle: Droemer Knaur

Nachdem ich letztes Jahr Naschmarkt gelesen habe, war ich schwer begeistert und musste unbedingt Mohnschnecke lesen. Da die Autorin Anna Koschka (Claudia Toman) genau wie ihre Heldin im Netz präsent ist, ergab sich ein netter Kontakt und ich hatte Gelegenheit einige Fragen zu stellen.


Peter Bosch


Woher kam die Idee für Dotti?

In meiner Singlezeit habe ich selbst einige Flirtplattformen im Internet getestet und dabei gemerkt, dass ich die Angelegenheit nicht so richtig ernst nehmen konnte. Diese ironische Energie habe ich für Blogartikel genutzt, in denen ich meine skurrilen Erfahrungen mit Parship, Friedscout&Co beschrieben habe. Und meine Lektorin hat den Blog gelesen und mir eine E-Mail geschickt. „Könnte man daraus nicht einen Roman machen?“ So habe ich angefangen, darüber nachzudenken, und mir war schnell klar, dass die Hauptfigur jemand sein musste, der gerne Single war und dem Thema Dating, Partnervermittlung und Flirten so kritisch wie ich gegenüberstand. Ein waschechtes Mauerblümchen eben. 
J Nachzulesen sind diese Ur-Blogartikel übrigens noch unter: 


Dotti nutzt Facebook, Twitter, Instagram und Co.: Nutzen Sie diese multimedialen Foren auch?

Sehr viel. Facebook mittlerweile am meisten. Aber untereinander vernetzt alle drei. Dotti hat ja auch einen Twitter-Account, der wiederum von der Facebook-Seite des Mauerblümchenclubs Input bekommt. Und auch den Instagram-Account vom @mohnschnecke55 gibt es. In meinen Büchern finden sich selten Links, Adressen oder Accounts, die ins Leere führen. ;-)

In Naschmarkt und Mohnschnecke wird auf eine Vielzahl an Personen und Szenen aus Büchern, Serien, und Filmen verwiesen. Wie haben Sie es geschafft, dies alles zusammen zu tragen? Wie verläuft ein Arbeitstag bei Ihnen?
Wichtigster Punkt ist, dass ich quasi in Büchern, Serien und Filmen lebe. Fiktive Geschichten waren immer schon mein Zuhause, da kenne ich viel, weiß ich viel und fühle mich sicher. Wobei ich mich trotz allem nicht als Nerd bezeichnen würde, weil ich erstens sehr, sehr „mainstreamig“ unterwegs bin und mir zweitens meist das Hintergrundwissen fehlt. Und weil mir die Story wichtiger ist als wer Autor, Regisseur, Schauspieler, Kameraleute sind, welche Sprachen man erlernen kann und wie alles entstanden ist. Mein Tagesablauf: Aufstehen, den Tag restlos vertrödeln, mit lesen, fernsehen, essen und dann nachts wie ein Vampir munter werden und schreiben. Bis auf die Tage, wo ich Kinder durch Schloss Schönbrunn führe, mit meinen Freunden Ufos oder Werwölfe jage, nach Hogwarts reise oder einen Roadtrip mit Katze unternehme ...

Mohnschnecke enthält viele leckere Rezepte. Woher stammen diese und haben Sie die auch ausprobiert?

Ich bin ja leider die untalentierteste Köchin und Bäckerin aller Zeiten. Die Rezepte stammen aus Kochbüchern und dem Internet, immer auf Basis von „Omas Geheimtipps“, weil ich authentisch böhmische Süßspeisen mit dem gewissen Etwas wollte. Powidltascherln, Buchteln, Kaiserschmarrn, Liwanzen … Kindheitserinnerungen. Meine Lektorin sagt, man kann sie auch gut nachbacken. Und wenn sie das sagt, dann glaub ich es ihr, sie kann nämlich backen.

Wie kam es zum Pseudonym „Anna Koschka“?





Ich durfte mir ja selbst einen Namen geben, was an sich schon ein aufregendes Erlebnis war. Und weil ich einen Namen wollte, der etwas mit mir zu tun hat und ich immer schon die Katze oder das Kätzchen war, seit ich denken kann, habe ich nach der Katze in anderen Sprachen gesucht. Und das russische Koschka war sofort der richtige Name. Anna wiederum war der Name meiner Großtante väterlicherseits, die ein hinreißendes Mauerblümchen war und als Vorlage für meine Figur Annili gedient hat.

Was hat es mit „Steampunktussi“ auf sich?

Das ist ein Projekt in Zusammenarbeit mit meiner Autorenkollegin Victoria Schlederer. Beide sind wir große Steampunk-Fans und üben uns in der DIY-Kunst. Ich bastle Schmuck aus Heißkleber und Victoria näht. Es tut gut, etwas mit den Händen zu machen, wenn man sonst bloß im Kopf Dinge baut.

Auf der Autorenseite von Diana wird auf Tätigkeiten in Wien, Tokyo und Tel Aviv hingewiesen. Welche Stadt ist Ihrer Meinung nach die vielseitigste Stadt und warum?

Ich muss ja eigentlich Wien sagen, nicht wahr? Wien ist mein Zuhause, und wenn es um Vielfalt geht, hat Wien einiges zu bieten. Kulturen, Geschichte, Offenheit, Eigenheit, Kunst, Kultur. Aber sowohl Tokyo als auch Tel Aviv werden für mich immer Traumstädte sein. Tokyo noch mehr. Tokyo ist irre, nicht eine Stadt, sondern ganz viele, voll von bunten, lauten, blinkenden Ecken. Und Getränkeautomaten überall. Ich vermisse die Getränkeautomaten. Heißer Tee mit Milch in der Dose aus dem Automaten. Fußgängerampeln mit Musikuntermalung. Erhöhte Cholesterinwerte. Das ist Tokyo.

Gibt es bei Ihnen auch eine Katze, die Ihren Alltag durcheinander bringt?

Oh ja, eine waschechte Madame, Madame Grisou La Belle (siehe Autorenfoto), kurz Sushi genannt. Madame kam vor 8 Jahren als Scheidungswaise zu mir, zusammen mit Neko, dem Dicken. Leider mögen die beiden sich nicht, deshalb lebt Neko bei meinem Vater, wurde aber in Naschmarkt und Mohnschnecke als Dottis Kater verewigt.

Wer ist Ihr Lieblingsschriftsteller?

Kurz und bündig: Stephen King.


Was ist Ihr Lieblingsbuch?

Es gibt drei, die etwa gleichbedeutend für mich sind. Stephen Kings „Es“, J.R.R Tolkiens „Herr der Ringe“ und J. K. Rowlings „Harry Potter“. Ich habe sie alle mehrfach gelesen, stand für Harry Potter mehrmals mitternachts in der englischen Buchhandlung Schlange, habe alle Filme gesehen, geliebt, besitze diverse Fanartikel und mein Kindle heißt Bill Denbrough. Noch Fragen? Ich sagte doch: Ich liebe Mainstream. 
J 

Haben Sie neben dem Schreiben noch Hobbys?

Viel zu viele. Bücher natürlich. Aber auch Filme. Jedes Jahr um die Oscarverleihung herum laufe ich exzessiv ins Kino, um alle nominierten Filme zu sehen und sitze dann bei der nächtlichen Liveübertragung im Burg-Kino und versuche, die Oscar-Wette zu gewinnen. Im Winter überkommt mich meist ein Handarbeitsrausch, dann stricke und häkle ich Wollschals. Theater natürlich auch, und Musik. Dreimal im Jahr muss ich nach London, um die Städtereise- und Musicalsucht zu befriedigen. Ich schaue Castingshows, Reality-Soaps, bin ein Serienjunkie, liebe Spieleabende mit Freunden, Dominion, Black Stories, Werwölfe, Tabu, singe leidenschaftlich gern Karaoke, gehe im Winter schifahren, und das waren nur die allerwichtigsten Dinge in meinem Leben. ;-)

Was lesen Sie gerade?

The Geek Handbook, zur Recherche. Die Rettung der Regenwürmer, zur Unterhaltung. Und Facebook, dauernd.

Wie stehen Sie zum Ebook?

Ich bin schon ein kleiner Papierjunkie. Ich schnüffle an Büchern seit ich lesen kann. Aber das E-Book hat andere Vorteile. Ich merke, dass ich mich daran gewöhne, immer eine kleine Bibliothek in der Tasche rumzuschleppen. Es gibt einem als Büchermensch das gute Gefühl, immer lesefertig zu sein. Als Autor wiederum beobachtet man die Entwicklungen und ist noch unentschlossen. Ist es wirklich gut, dass alles ungefiltert zum Buch wird? Ich weiß es nicht. Aber es ist spannend, die neuen Trends mitzuerleben.

Wie stehen Sie zu Buchreihen? Sind Sie davon begeistert, oder mögen Sie lieber Einzelbücher?

Ich mag dicke Einzelbücher. Solche, die am besten nie enden. So gesehen sind Reihen schon fein, lange Geschichten mit den liebgewonnenen Helden. Aber ich lese sie seit Harry Potter eigentlich nicht mehr, ehe sie nicht abgeschlossen sind. Ich bin ein ungeduldiger Mensch. Auf Fortsetzungen warten ist die Hölle. Daher habe ich mir angewöhnt, Reihen, die ich lesen will, zu sammeln, aber nicht zu beginnen, bevor sie nicht fertig sind. Sorry George R.R. Martin! Für „Silber“ von Kerstin Gier habe ich die einzige Ausnahme seit langem gemacht und merke schon wieder, dass ich es kaum aushalte.


Wollen Sie zukünftig auch in verschiedenen Genres Bücher schreiben?


Das würde ich sehr gern. Eigentlich bin ich ja von Jugend an die klassische Thriller- und Fantasyleserin. Und irgendwann möchte ich beides schreiben, weil ich in beiden Genres schon lange so kitzelnde Ideen mit mir herumschleppe.

Wollten Sie schon immer Autor/in werden?

Wenn es irgendeinen Job gäbe, bei dem man mich dafür bezahlt, dass ich den ganzen Tag nur lese (nein, nicht drüber schreibe oder so, nur lesen!) und Filme schaue, Rund-um-die-Uhr-Testerin fiktiver Geschichten, dann wäre das mein Traumjob. Aber Geschichten selbst erfinden ist auch schön. Bloß das Aufschreiben ist so anstrengend...

Welche/n Autor/in würden Sie gerne mal treffen? Welche Frage würden Sie stellen?

Das war ja immer schon Stephen King. Und jetzt war er in Deutschland und ich war so nah dran. Aber es kam nicht dazu. Meet&Greet hab ich keins gewonnen und als das Mikro im Circus Krone in Reichweite war, habe ich nicht aufgezeigt, obwohl ich meine Frage schon so lange kenne: Lieber Herr King, haben Sie auch ein Fahrrad wie Silver oder irgendeinen sonstigen Gegenstand, der Ihnen jeden Tag hilft, den Teufel zu besiegen? Weil es nichts auf der Welt gäbe, das ich lieber hätte.

Vielen Dank für das ausführliche Interview. 




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