Sonntag, 30. Oktober 2016

Anna McPartlin - Irgendwo im Glück von Sina


rororo

Maisie Bean hat eine schreckliche Ehe hinter sich. Gewalt und Demütigung lag an der Tagesordnung. Doch sie konnte sich aus der Ehe retten und führt nun zusammen mit ihren beiden Kinder Jeremy und Valerie sowie ihrer demenzkranken Mutter Bridie ein neues Leben. Maisie müht sich ab, die Familie mit zwei Jobs und der Pflege der Mutter am Laufen zu halten. Sie hat Hilfe durch ihren Sohn Jeremy, der mit seinen 16 Jahren schon sehr erwachsen zu sein scheint. Zumindest in den Augen der anderen. Aber er hat auch seine Ängste und Sorgen, aus Pflichtgefühl gegenüber seiner Familie versucht er diese jedoch zu verbergen und den "starken Mann" zu markieren.
Und dann passiert das Undenkliche: Jeremy verschwindet. 

Wer die Bücher von Anna McPartlin kennt, weiß, dass diese nicht gerade leichte Kost sind. Es geht um den Tod, verlorene Liebe, neue Anfänge und Schicksalsschläge. Die Protagonisten durchleiden einiges, müssen neu ins Leben finden und stecken so vieles ein, dass sie nicht verdient haben. Und doch steckt in den Büchern eine Leichtigkeit, die ich gar nicht so richtig beschreiben kann.

Auch hier in "Irgendwo im Glück" ist es so, dass die Protagonistin Maisie eine schreckliche Vergangenheit hat. Ihr Mann war brutal, hat sie geschlagen, gedemütigt und ihr das Leben zur Hölle gemacht. Doch sie hat aus diesem Leben herausgefunden und zusammen mit ihren beiden Kindern,  Jeremy und Valerie und ihrer Mutter Bridie einen Neuanfang gewagt.

Nun, ein paar Jahre später, hat sie es geschafft, wieder ein geregeltes Leben zu führen. Ihre Kinder Jeremy und Valerie sind nun 16 bzw. 12 Jahre alt und helfen ihr so gut es geht. Vor allem Jeremy ist sehr gewissenhaft und unterstützt seine Mutter vor allem mit der nun dementen Bridie, die nicht nur durch die Vergesslichkeit, sondern auch durch ihr oft aggressives Verhalten gegenüber Maisie eine große Last geworden ist.
Doch Maisie gibt sie nicht auf. Sie erträgt es, dass ihre Mutter manchmal nicht mehr weiß, wer Maisie ist und aus Angst auf sie einschlägt. 

Maisie ist eine sehr starke Persönlichkeit. Sie hat ihren Lebensmut nie verloren, hat sich immer wieder selbst aus der Tiefe heraufgeholt und versucht, dies auch an ihre Kinder weiterzugeben. Maisie nimmt vieles auf sich, findet Lösungen und bietet ihren beiden Kindern vor allem eine Familie. Zwar ohne Vater, dafür aber mit viel Liebe, viel Geborgenheit und vor allem mit einem offenen Ohr. 

Valerie sieht dies manchmal nicht so. Sie ist etwas zickig, was aber an der beginnenden Pubertät liegt.  Trotzdem lernt sie zu schätzen, was ihre Mutter für sie tut. Gleichzeitig will sie jedoch auch ihren Vater sehen, von dem jedoch keiner weiß, wo er sich aufhält. Verständlich, aber für ihre Mutter Maisie nicht gänzlich nachvollziehbar.

Als dann der Ruhepol der Familie, Jeremy, verschwindet, fängt ein neues Kapitel an. Wieder holt die dunkle Zeit Maisie ein. Doch es gibt für sie etwas, dass nicht in Frage kommt: aufgeben. 

Hilfe bekommt sie dabei von dem netten Polizisten Fred Brennan. Erst denkt Maisie, dass er schuld daran ist, dass Jeremy abgehauen ist, doch nach und nach ergibt sich ein schreckliches Bild.

Die Umstände für das Verschwinden sind furchtbar und damit schneidet die Autorin ein Thema an, dass in unserer heutigen Zeit leider immer noch gerne totgeschwiegen wird, obwohl es zu unserem Alltag mittlerweile dazugehört. 

Mit sehr einfühlsamen Worten, einer fesselnden, leichten Schreibweise und vor allem mit den ungewöhnlichen Mischungen der Themen schafft es die Autorin, mich so dermaßen in den Bann zu ziehen, dass die 464 Seiten nur so im Flug vergehen. Ich fühlte mich fast geborgen. Alle (guten) Charaktere waren sympathisch, authentisch. Ich habe sie alle lieb gewonnen.

Maisie und ihre Familie finden einen Weg und sind dann "Irgendwie im Glück".

Fazit:
Ein herzzerreissendes Buch voll Liebe, Freundschaft und Zusammenhalt. Von mir gibt es 10 von 10 Punkten.

Verlag: rororo
erschienen: 2016
Format: Taschenbuch
Printseiten: 464
ISBN: 978-3-499-27223-3

Sebastian Fitzek - Das Paket von SINA

Droemer Knaur

Emma ist traumarisiert. Nach einer Vergewaltigung durch den "Friseur" vermummt sie sich zu Hause und traut sich nicht mehr hinaus. Ihre Leben besteht nunmehr aus Ängsten, Onlinebestellungen und der Internetsuche nach dem Mann, der ihr Gewalt angetan hat. Als sie eines Tages ein Paket für ihren Nachbarn annimmt, stellt sich heraus, dass der Alptraum, in dem Emma lebt, noch lange nicht zu Ende ist.

Wie immer ist es ein sehnsüchtiges Warten auf einen neuen Sebastian Fitzek. Nachdem ich von den letzten Büchern nicht mehr so ganz überzeugt war, hatte ich natürlich jetzt hohe Erwartungen an die Geschichte. Doch ich kann gleich von vornherein sagen, dass mit "Das Paket" meiner Meinung nach "der alte Fitzek" wieder da ist. 

Zuerst möchte ich noch auf das eigentliche Buch eingehen. Es ist ja immer wieder eine kleine Schnitzeljagd, herauszufinden, was denn an dem Buch an sich so besonderes ist. Seien es kleine Post it-Zettel, leuchtende Cover oder versteckte Botschaften. Immer wieder gibt es kleine Gimmicks, die das Buch schon selbst zu etwas Besonderem machen. Diesmal ist es so, dass das Buch selbst als "Paket" verpackt ist. Um an das Buch zu gelangen, muss es erst einmal ausgepackt werden.



So bekommt man noch mehr Lust, sich der eigentliche Geschichten zu widmen.

Aber nun komme ich zu dem Inhalt.
Die Protagonistin Emma ist Psychologin. Eigentlich kommen zu ihr Menschen, die Probleme mit ihrer Psyche haben. Nie hätte sie gedacht, dass sie einmal damit Probleme haben könnte. Doch nach einer Vergewaltigung durch den "Friseur" fängt sie an, sich einzuigeln. Sie verschanzt sich in ihrem Haus, geht nicht mehr nach draußen und verlässt sich ganz und gar auf Onlinebestellungen und den Informationen, die sie im Internet erhält. 

Als sie - entgegen ihren Gewohnheiten - für ihren Nachbarn ein Paket annimmt, aber genau weiß, dass derjenige, der auf dem Adressfeld steht, dort gar nicht wohnt, schwant ihr Übles. Und so kommt es zum nächsten Albtraum in ihrem Leben.

Der Autor fängt gewohnt ruhig damit an, zu erklären, warum Emma in den Abgrund stürzt und legt nach und nach offen, wie es zu allem kam. Dies jedoch nicht auf einem geraden Weg, sondern in solch einem Zick-Zack, dass man nach der Hälfte des Buches wieder auf verlorenem Posten steht und nicht weiß, wo hinten und vorne ist.


Diese Verwirrtaktik beherrscht Sebastian Fitzek wie kein zweiter. Ständig hatte ich Jemanden in Verdacht, der es dann doch nicht war und die eigentliche Person, die an allem die Schuld trägt, ist wieder überraschend diejenige, der ich es am wenigsten zugetraut hätte. Auch die Art der Überführung ist schlau ausgedacht. 

Der Schreibstil des Autors hat mich wieder fesseln können und so war ich auch innerhalb kürzester Zeit wieder durch das Buch durch - natürlich mit Schuldgefühlen, den neuen Fitzek nicht in der Art genossen zu haben, in der er es verdient hat. Aber es war eben zu spannend.

Jedoch gibt es auch Kritikpunkte. VORSICHT SPOILER: Gerade Emmas Kindheit konnte mich nicht richtig überzeugen. Vor allem ihre Vorstellung eines Geistes namens Arthur, der in ihrem Wandschrank lebt und sich für sie einsetzt, wenn ihr Vater mal wieder in Wutausbrüche verfällt, war für mich sehr weit hergeholt. Ebenso, dass Emma nicht herausfand, dass es wirklich ein Mensch ist, der sich dort Nacht für Nacht versteckt. Dies führt zu einigem Punkteabzug, da ich mir nicht vorstellen kann, dass dies über Jahre hinweg unentdeckt bleiben kann. 

Emma an sich fand ich sehr gut dargestellt. Ihre Ängste nach dem Angriff des "Friseurs" waren gut nachvollziehbar. Mit dem alten Leben weiterzumachen, ist natürlich undenkbar. Sie muss langsam wieder hineinfinden und versuchen, ihre Zwangsvorstellungen zu unterdrücken.
Dafür blieben aber andere Figuren eher blass. Vorneweg Emmas Ehemann Philipp, der als Polizist auch ein aufregendes Leben führt. Doch so richtig konnte ich mich nicht an ihn gewöhnen. Auch wenn er eine wichtige Rolle spielt, war er für mich doch eher eine Figur, die mal so nebenbei in die Geschichte miteingebracht wurde.


Auch gab es zwei, drei Szenen, mit denen ich mich nicht so anfreunden konnte. Die Intensität, die diese Szenen in der Geschichte einnahmen, waren fast zu viel des Guten und in meinen Augen auch nur dazu da, die Geschichte noch etwas in die Länge zu ziehen.

Ansonsten jedoch bin ich begeistert, dass der Autor wieder zum alten Niveau gefunden hat und nach den etwas enttäuschenden Romanen wie "Das Joshua-Profil" und "Die Blutschule" (unter dem Pseudonym Max Rhode) wieder auf das altbewährte Schema zurückgegriffen hat. So macht das Lesen von Thrillern Spaß - an der Nase herumgeführt werden bis zum Schluss.

Fazit:
Spannender Thriller mit Nervenkitzel. Von mir gibt es 8 von 10 Punkten.

Verlag: Droemer Knaur
erschienen: 2016
Printseiten: 368
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-426-19920-6

s. a. Bibliografie Sebastian Fitzek


Derek Landy - Skulduggery Pleasant: Passage der Totenbeschwörer (6) von SINA

Loewe

Nach dem Angriff der Restanten haben Skulduggery Pleasant und Walküre Unruh so einiges zu tun. Eigentlich wollen sie sich auf die Suche nach Tanith Low machen, doch plötzlich gibt es eine Ernennung der besonderen Art. Melancholia St. Clair ist der Todbringer und nicht - wie gedacht - Walküre. Dies bringt natürlich alle durcheinander, macht es für Walküre jedoch auch etwas einfacher... denkt sie. Denn nun kommt ans Licht, was passiert, wenn der Todbringer die Passage der Totenbeschwörer öffnet. Die Hälfte der gesamten Menschheit würde sterben. Und so stürzen sich Skulduggery und Walküre in ihre nächste Mission - ohne zu wissen, dass dadurch dunkle Geheimnisse an die Oberfläche schwappen.

Es ist immer wieder so: wenn man denkt, man kennt sich so langsam in der Welt aus, die der Autor geschaffen hat, kommen Wendungen und Überraschungen, die einem die Luft nehmen und man sich wieder so richtig in ein neues Abenteuer stürzen kann. Auch Derek Landy schafft das mit dem mittlerweile sechsten Teil der Reihe rund um den Skelettdetektiv Skulduggery Pleasant und seine Partnerin Walküre Unruh.

Je weiter man sich in Skulduggerys und Walküres Welt hineinbewegt, umso vielschichtiger, tiefer und düsterer wird diese. Und so hat der Autor natürlich jede Menge schriftstellerische Freiheit, die er auch komplett ausnutzt und somit immer wieder Geschichten aufs Papier bringt, die einem in den Bann ziehen und man das Gefühl hat, dass man eben erst mit dem Buch angefangen hat und plötzlich schon die letzte Seite liest. 
Man vertieft sich in die Story, leidet mit den Charakteren mit, versucht, sich selbst ein Bild von den Bösen und Guten zu machen und ist letztendlich total verwirrt, weil dann doch wieder alles über den Haufen geworfen wird und sich Unmögliches auftut und die Guten böse sind und die Bösen gut. 

Diesmal muss ich besonders Walküre hervorheben. Sie macht eine deutliche Veränderung durch. Erstens, weil sie nun eine große Schwester ist und sich ständig Sorgen um ihre kleine Schwester Alison macht. Und auch, weil sie endlich merkt, dass sie so nicht weiterleben kann.
Ebenso stellt sie auch ihr Verhältnis zu ihrem Spiegelbild in Frage. Ihr "Spiegelbild" (eine Kopie (ein Klon?) ihrer selbst) führt ihr "normales Leben", also Schule, Familie und Freunde, so dass Walküre zusammen mit Skulduggery ihre Ausbildung zum Totenbeschwörer bzw. detektivische Forschungen ausführen kann. 
Das Spiegelbild jedoch bekommt immer mehr ein eigenes Leben und droht so ihren Platz in der Familie zu übernehmen.

Im sechsten Band der Reihe gibt es außerdem einige Geheimnisse, die aufgedeckt werden. Viele waren überraschend, eigentlich alle und so ergeben sich natürlich einige neue Möglichkeiten, die der Autor auch garantiert in die nächsten Bände mit einfließen lässt. 

Ich bin nun sehr gespannt, wie es im nächsten Band weitergeht. Vor allem, wie mit der Tatsache umgegangen wird, dass Tanith Low von einem Restanten besessen ist. Und ob Walküre und Skulduggery es schaffen, Tanith zu befreien.

Skulduggery kam mir in diesem Band ungewohnt rührselig vor. Diese Rührseligkeit versteckte er zwar gut in seinen gewohnten sarkastischen Bemerkungen, aber es gab Momente, da hatte selbst ich einen Kloß im Hals, weil es Skulduggery gar nicht ähnlich sieht, sich so zu verhalten. 

Erst am Ende des Buches wird einem klar, warum dies so ist. Die Idee fand ich hervorragend und ich muss zugeben, dass ich die ganze Zeit keinerlei Ahnung hatte und der Autor mich so wieder mal überraschen konnte. 

Diesmal kommt auch die Liebe nicht zu kurz. Walküre, eigentlich mit Fletcher liiert, verfällt den Reizen des smarten Vampire Caelans und ist sich nun gar nicht mehr sicher, ob sie überhaupt so gut dran ist, wenn sie einen Freund hat. Ihre Gefühle spielen verrückt und letztendlich weiß sie gar nicht mehr, was richtig und was falsch ist. Diese Dreiecksbeziehung zerrt heftig an ihren Nerven. Und führt zu Unvermeidlichem.

Auch Walküres Familie ist diesmal mehr in die Geschichte eingespannt und auch hier erwartet einem eine Wendung, die so einigen Spielraum zulässt. Hier bin ich sehr gespannt, wo diese Entwicklung hinführt und vor allem, was diese für Walküre selbst bedeutet.

Walküre und Skulduggery haben aber nicht nur mit Familienproblemen, verliebten Vampiren, dunklen Geheimnissen, einer Todbringerin der besonderen Art und natürlich den typischen Problemen zu tun, sondern auch noch mit einem Journalisten, der irgendwie durch Zufall mit in die ganze Sache hineingerät. Und die Bombe platzen lassen könnte.

Fazit:
Ein typisches Skulduggery Pleasant-Buch mit allem, was den sarkastischen Skelettdetektiv, seine Partnerin Walküre und die Zaubererwelt von Irland so ausmacht. Hier gibt es wieder die verdienten 10 von 10 Punkten.

Verlag: Loewe
erschienen: 2014
Printseiten: 576
Format: Taschenbuch
ISBN: 978-3-7855-7904-6

s. a. Bibliografie Derek Landy






Montag, 24. Oktober 2016

Yvonne Richter - Casting: Spiel ums Leben von SINA


Fabulus

Lovis und Jo leben in einer Welt, die von Castings beherrscht wird. Wenn man das Casting gewinnt, erhält man einen guten Preis. Essen, Wohnung oder Schule, alles kann gewonnen werden. Doch man muss dafür einiges tun. Es geht klassisch, wie z. B. singen, kochen oder mit seinen Talenten angeben. Aber je höher der Einsatz, umso besser auch der Gewinn. Die Welt besteht nur noch daraus, zu bestehen oder gnadenlos unterzugehen. Wer nichts kann, wird ausgemustert. Lovis und Jo wollen ausbrechen und versuchen einen Weg zu finden, sich aus dem System zu befreien und trotzdem ein gutes Leben zu führen. 

Für diese Rezension muss ich etwas weiter ausholen. 
Zuerst war ich überrascht, mit welch "kindlicher" Sprache die Geschichte doch erzählt wird. Nach Beendigung des Buches kann ich deutlich sagen, dass es sich eher um ein dystopisches Kinderbuch handelt. Erwartet hatte ich jedoch eine Dystopie für Teenager bzw. junge Erwachsene. Und mit etwas mehr Härte, Brutalität und "Düsternis".

In kurzen, einfachen Sätzen wird die Story erzählt. Hierbei wird allerdings nicht viel Wert auf die Beschreibung der Umgebung oder der Orte gelegt (außer in der zweiten Hälfte des Buches, aber auch nicht so ausgeprägt wie gewünscht), sondern eher auf das Miteinander der einzelnen Charaktere bzw. die Castings. 

Lovis und Jo sind zwei Jugendliche, die sich mit eben diesen Castings über Wasser halten. Diese Castings scheinen allerdings eher Spielshows zu sein, bei denen der Gewinner eben einen Preis erhält, der es ihm möglich macht, seine Zukunft oder seinen Unterhalt zu gestalten. Gewinne sind z. B. eine Wohnung (für einen begrenzten Zeitraum), Essen, Kleidung oder auch ein Schulbesuch. Je "intensiver" das Casting, umso höher auch der Preis. Lovis hat schon einiges gewinnen können, doch zusammen mit Jo, die er bei einem Casting kennenlernt, bei dem es Essen zu gewinnen gibt, versucht er nun, aus dem System auszubrechen und einen Weg zu finden, ein Leben zu führen, ohne ständig an irgendwelchen Spielen teilnehmen zu müssen.

Die Grundidee fand ich sehr ansprechend, nur leider hat es in meinen Augen nicht so mit der Umsetzung geklappt. Dies lag teilweise auch daran, dass das Buch eben sehr kindgerecht gehalten wurde. Auch der Zusatz "Spiel ums Leben" ist für mich falsch gewählt. Denn eigentlich geht es zu keiner Zeit darum, dass jemand sein Leben gefährdet. Gewinnt man nicht, geht man eben leer aus und probiert es bei einer anderen Show.

Lovis und Jo blieben mir auch etwas fremd. Sie sind zwar sehr forsch und auch clever, stürzen sich in Abenteuer und versuchen, ihre Interessen mit allen Mitteln durchzusetzen, doch konnte ich keinen Bezug zu ihnen herstellen. Sie bleiben blass. Ihr Verhalten war für mich teilweise nicht nachvollziehbar. Auch war es mir unklar, warum die Erwachsenen sich so sehr von den Kindern bevormunden lassen. Wenn Lovis, Jo und deren Freunde eine Idee hatten, wurde diese von den Erwachsenen anstandslos angenommenen und umgesetzt. Die Autorität wurde dadurch untergraben und es kam mir am Ende so vor, als wären die Erwachsenen die "Dummen", die keine Ahnung hätten und auf die Jugendlichen angewiesen sind.

Auch die Entwicklung dieser dystopischen Welt ist mir etwas zu "schnelllebig". Lovis z. B. kann sich noch erinnern, mit seiner Mutter in einem Haus mit Garten gewohnt zu haben. Aber als die Castings überhand nahmen, wurde alles umgekrempelt und Lovis Mutter arbeitet nun in einer Fabrik, hat ein kleines Kämmerchen für sich zum Schlafen und ihr Sohn pendelt munter von einem Casting zum nächsten, um sich über Wasser zu halten. 

Aber auch bei den anderen Kindern, die nach und nach auftauchen, ist dies so. Viele haben keine Eltern mehr (warum, wird nie erwähnt). Auch sie schlagen sich mehr schlecht als recht durchs Leben. Wer keine Wohnung hat, muss im Park schlafen. Wer kein Essen hat, muss es sich erbetteln oder stehlen. Und irgendwie scheint alles so einfach gestrickt, jeder nimmt dies wortlos hin. Dass es aber vor kurzem (ich denke in etwa 10 Jahre) noch normal war, dass jeder ein geregeltes Leben mit Dach über dem Kopf und Job hat, ist wie aus dem Gedächtnis gelöscht.

Wie gesagt, die Grundidee ist gut, die Details sind jedoch nicht ausgereift. Als Kind würde ich wahrscheinlich gar nicht so viel Sachen in Frage stellen, weshalb ich das Buch - wie oben schon geschrieben - eher als Kinderbuch ansehen würde. Als Erwachsener fehlen mir jedoch die Tiefe, die Ursache sowie weitreichende Erklärungen zu dem Wieso und dem Weshalb.

Die gewählten Namen der Charaktere waren ebenfalls sehr gewöhnungsbedürftig. Allen voran schon "Lovis", der Name des Hauptcharakters. Aber auch die Castingmenschen hatten Namen, bei denen ich mehrmals den Kopf schütteln musste. Kami Katze, QuasselnStrippe oder gar Herr Kon To waren dann doch zuviel des Guten und ich werte das Buch nun endgültig als eine Kindergeschichte ab.

Die Aufmachung des Buches muss ich jedoch wieder positiv bewerten. Alles ist lilafarben gehalten und der Schnitt ist ebenfalls sehenswert. Er ist in rosa gehalten und so wirkt das Buch von außen her sehr edel aufgemacht. 

Das Ende war dann doch etwas überraschend, jedoch viel zu schnell. Auch hier hätte ich mir gerne etwas mehr Erklärung gewünscht.

Fazit:
Schade, dass die Idee nicht so gut mit der Umsetzung harmoniert. Von mir gibt es leider nur 5 von 10 Punkten.

Verlag: Fabulus
erschienen: 2016
Format: Hardcover
Printseiten: 295
ISBN: 978-3-944788-28-9

Sonntag, 23. Oktober 2016

Carolyne Larrington - Winter is Coming: Die mittelalterliche Welt von Game of Thrones von SINA

Theiss 
- Gewinn oder stirb! - So könnte man kurz und knapp "Das Lied von Eis und Feuer" beschreiben. Wenn Du das Spiel um die Throne nicht mitspielst, dann bist du verloren. Die Faszination um diese Reihe streut sich über die ganze Welt und dies schon seit geraumer Zeit. Die Autorin Carolyne Larrington hat sich diesem Phänomen von einer Seite angenähert. Ihre Interpretation der "Bekannten Welt" zeigt die historischen Hintergründe rund um das fantastische Universum geschaffen von George R. R. Martin.


Nach einen einleitenden Vorwort um die Hintergründe für dieses Buch, widmet sich die Autorin in fünf Kapitel den wichtigsten Themen rund um Game of Thrones.

In Kapitel 1 beispielsweise geht es in Herz des Landes. Es wird angeführt, wie der Rang, die Herkunft und die Ehre der einzelnen Personen und Häuser gehandelt werden. Die Ehre ist dabei sehr groß, wie es sich für Ritter eben ziemt. Doch es gibt natürlich die berühmten Ausnahmen.
Und so werden Vergleiche gezogen zwischen den Buchcharakteren und den historischen Persönlichkeiten unserer Geschichte. Insbesondere die Rosenkriege sind ein Vorbild für den Autor George R.R. Martin gewesen. Dies zeigt sich auch in den Namensähnlichkeiten (York = Stark, Lancaster = Lennister). Das englische 15. Jahrhundert strotzte geradezu vor Ideen für diese Buchreihe.


Hinter allen Charakteren stehen historische Persönlichkeiten - laut der Autorin Carolyne Larrington. Und so findet sich auch ein reales Pendant zu jedem. Diese Interpretation finde ich sehr gelungen und es war interessant zu lesen, wen die Autorin wem zuordnet. Bei manchen stand ich voll und ganz hinter ihr, bei anderen fand ich es weit hergeholt, bis... ja, bis die Autorin glaubhaft ausholte und mich letztendlich dann doch überzeugte. 

Aber es werden auch weitere Themen angesprochen, vor allem dann in den Kapiteln 2 bis 5. Es geht unter anderem um die verschiedenen Orte der uns Bekannten Welt, so z. B. die Eiseninseln, die Mauer, Winterfell, Königsmund oder auch den Nachbarkontinten Essos mit den Städten Braavos, Meeren und Volantis. Aber auch die Häuser werden angesprochen: Baratheon, Stark, Lennister, Targaryen sowie einzelne Personen (Jon Snow, Tyrion Lennister, Cersei Lennister, Daenerys Targaryen usw.).


So vergleicht die Autorin z. B. die Nachtwache mit den Tempelrittern. Dieser Vergleich hat mir besonders gut gefallen, hatte ich selbst schon während des Lesens der Bücher daran denken müssen.
Aber auch der Norden, der Westen und der Osten werden beleuchtet. Auch jenseits der Meerenge halten wir uns auf. Es wird alles analysiert und es werden Parallelen gezogen. 

Das Buch endet mit einem Nachwort der Autorin, in welchem sie persönlich Spekulationen aufstellt, wie es denn nun weitergehen könnte. Sehr interessante Ansätze sind dabei herausgekommen und haben mich persönlich auch zum Nachdenken angeregt.

Es werden viele Passagen aus den Büchern und aus der Serie zitatenweise erwähnt, so dass ich das Buch nur den Lesern empfehlen kann, die die Serie ganz gesehen oder alle Bücher gelesen haben. Ansonsten sind massive Spoiler vorhanden. Zwar werden einige Spoiler aus der sechsten Staffel mit einem Vogel am Rande gekennzeichnet, doch sind diese in meinen Augen zu vernachlässigen. Das ganze Buch ist eigentlich ein großer Spoiler, wenn man nicht in der Materie drin ist. 


Ich kann es eigentlich nur als Beiwerk empfehlen, als sehr gute Ergänzung zu der Buchreihe oder eben der Serie. 

Die Schreibweise der Autorin ist sehr fesselnd, obwohl es sich ja um ein Sachbuch handelt. Es ist eine richtig gute Mischung aus der Zusammenfassung der einzelnen Bände und historischen Begebenheiten und Persönlichkeiten. Ich konnte sehr viel lernen und auch sehr viele Zusammenhänge sehen, über die ich mir vorher keinerlei Gedanken gemacht habe. So werde ich bestimmt einiges nun mit anderen Augen sehen.

Fazit:
Ein gut durchdachtes Buch als interessante Ergänzung zum Game of Thrones-Universum. Ich vergebe deshalb 10 von 10 Punkten.

Verlag: Theiss
erschienen: 2016
Format: Taschenbuch
Printseiten: 320
ISBN: 9783806233506



Montag, 17. Oktober 2016

Die Magie der Bücher von Nadja Losbohm von SINA

Nadja Lobohm
Coverdesign: Tom Jay www.tomjay.de
 Foto Cover: © susanafh - Fotolia.com
Magische Bücher gibt es wirklich. Dies merke ich Tag für Tag aufs Neue. Bücher ziehen einem in den Bann, lassen die Realität verschwinden, entführen in fremde Welten, lassen uns untertauchen und zeigen uns immer wieder, dass die Liebe zum geschriebenen Wort Berge versetzen kann.

In der Anthologie der Autorin zeigt auch sie ihre Liebe zum Schreiben und ihre Liebe zu den magischen Büchern.

In vier Kurzgeschichten ist so einiges Traumhaftes und Magisches versteckt.
Es ist eine Freude, die Geschichten zu lesen, die durch so vieles herausstechen. Sei es die Einfachheit, der Aussage, die hinter den Geschichten steckt; die Liebe zu den kleinen Details, die die Storys einzigartig machen. Oder die magischen Momente, die erzählt werden.

In "Die Zauberspiegel" geht es um zwei Königreiche, die zwar gegenseitig voneinander wissen, aber noch keiner zeigte wirklich Interesse, das andere Reich zu besuchen. Als die beiden Königskinder Rosalind und Arian jedoch einen Weg finden, dies ändern zu können, setzen sie alles daran, einander persönlich kennenzulernen. 
"Die Zauberspiegel" ist die längste Kurzgeschichte der Anthologie und auch die aussagekräftigste.

Mit der Kurzgeschichte "Yolanda" wird man auf einen Weg ins Ungewisse geschickt und erst am Ende mit einem Aha-Effekt entlassen.

"Blueberry's wundersame Reise ins Land der Glitzervögel" hat die Autorin - glaube ich - nur für mich geschrieben. Denn die Story sagt genau das aus, was ich fühle, wenn ich mich in ein Buch vertiefe. Diese Kurzgeschichte gehört zu meinen persönlichen Lieblingen in dieser Anthologie.

Die letzte Story heißt "Die lesende Elfe", ein kurzes Märchen auf drei oder vier Seiten, das einfach nur zuckersüß ist.

Insgesamt hat mir die Anthologie sehr gut gefallen, geht es doch in jeder um magische Bücher und vor allem auch darum, Träume zu haben und zu versuchen, diese Träume auch wahr werden zu lassen. Eine Aussage, die in meinen Augen sehr wichtig ist.

Die Autorin jedenfalls hat sich ihren Traum erfüllt - ihren Traum vom Schreiben. Dies hat sie ja auch schon eindrucksvoll mit ihrer Reihe "Die Jägerin" sowie dem Fantasy-Roman "Alaspis" bewiesen. 
Aber auch mit ihrem Kinderbuch um den "Hamster Stopfdichvoll" bringt die Kinderherzen zum Leuchten und zum Lachen.

Verraten kann ich, dass die Autorin auch an einem historischen Fantasyroman arbeitet, auf den ich persönlich schon sehr gespannt warte.

Fazit:
Magische Welten, magische Bücher, magische Geschichten. Von mir gibt es für diese Anthologie 10 von 10 Punkten.

Verlag: Selfpublishing
erschienen: 2016
Format: ebook
Printseiten: 61
ISBN: 9783738087147

Freitag, 14. Oktober 2016

Sina Beerwald - Kräherwald von SINA

Emons
Tessas Leben ist ein einziges Chaos. Nach der Trennung von ihrem Mann ist sie alleinerziehende Mutter eines 3jährigen Sohnes. Da sie beruflich als Journalistin sehr eingespannt ist, kümmert sich die Tagesoma Frau Rose um ihren Sohn. Und ihr Ex-Mann Philip hat sich zu einem Stalker entwickelt. Als sie dann auch noch eine Leiche am Ufer des Neckars entdeckt, scheint alles vollständig aus den Fugen zu geraten. Tom, ein Freund von Tessa, arbeitet bei der Polizei und liefert Erkenntnisse über den Mord, der mit einem länger zurückliegenden Leichenfund in Verbindung zu stehen scheint. Aber dann gerät Tessas Sohn Julian in das Visier des Serienmörders.

Spannende Geschichten legt man selten aus der Hand. Sie fesseln einen, unterhalten und lassen uns in eine Realität eintauchen, die wir hoffentlich nie erleben werden. 
So schafft es auch die Autorin, eine spannende Story zu schreiben und mich an das Buch zu fesseln. 

Wir lernen Tessa kennen, die ein für sie sehr unzufriedenes Leben führt. Sie hat sich von ihrem Ex-Mann getrennt, der jedoch die Trennung nicht akzeptieren will und sich zum Stalker entwickelt. Außerdem ist sie verantwortlich für ihren 3jährigen Sohn. Dieser ist jedoch mehr bei seiner Tagesoma Frau Rose. Der Job als Journalistin fordert sie auch. Dann ist da noch Tom, ihr Nachbar und bester Freund... und Leander, den sie erst vor kurzem über Facebook kennengelernt hat.
Zu allem Überfluss findet sie auch noch eine Leiche im Neckar. Ein junges Mädchen, angebunden an einen Sonnenschirmständer, eingewickelt in ein Laken und Rosenblätter. 

Und ab da nimmt das Chaos noch größere Ausmaße an.
Sehr langsam steigert sich die Geschichte. Zu Anfang lernen wir alle Protagonisten kennen und verstehen. Zumindest die meisten. 
Gerade Tom, Philip und Leander sind eher undurchsichtige Gesellen und jeder scheint irgendwas zu verbergen oder eine dunkle Vergangenheit zu haben. Nach und nach kommen Sachen ans Licht und es ergibt sich ein konkretes Bild.

Die Autorin führt einem souverän an der Nase herum. Mehrmals hatte ich einen Verdacht, der sich nicht bestätigt hat. Jeder hat ein Motiv. Jeder könnte der Täter sein.

Mit fesselndem Schreibstil bindet die Autorin einem an das Buch und lässt einem auch kaum Atempausen. Man fliegt förmlich durch die Geschichte, versucht mit Tessa herauszufinden, wer ihr das Leben zur Hölle macht und leidet mit.

Und so ist die Geschichte für jeden Krimifan ein absolutes Muss. 

Interessant ist natürlich auch die gewählte Location. Stuttgart ist die Heimatstadt der Autorin und so kennt sie sich dort auch sehr gut aus. Es werden einige interessante Plätze genannt, die ich bei meinem nächsten Besuch in Stuttgart gerne aufsuchen werde.

Die Spannung ist greifbar und macht das Buch somit zu einem absoluten Pageturner.

Fazit:
Spannung pur. Von mir gibt es 10 von 10 Punkten.

Verlag: emons
erschienen: 2016
Format: Taschenbuch
Printseiten: 336
ISBN: 978-3-95451-982-8

Donnerstag, 13. Oktober 2016

Morten A. Strøksnes - Das Buch vom Meer... von SINA

... oder Wie zwei Freunde im Schlauchboot ausziehen, um im Nordmeer einen Eishai zu fangen, und dafür ein ganzes Jahr brauchen

DVA
Zwei Freunde, ein Boot, ein Eishai und das Meer... Der Erzähler und sein Freund Hugo haben sich vorgenommen, einen Eishai zu fangen, in einem Schlauchboot, auf dem Meer, in Norwegen. Und so fängt eine Geschichte an, die die Liebe zum Meer zeigt. 

Das Buch ist vieles: eine Erzählung über die Liebe zum Meer und dessen Bewohner. Eine Hommage an die Erde, die so ist, wie sie ist. Ein Bildnis des Lebens und der Freundschaft. Aber vor allem ist es ungewöhnlich. Ungewöhnlich liebevoll, ungewöhnlich anders, ungewöhnlich schön.

Morten A. Strøksens © Ellen Lander Gossner
Die eigentliche Geschichte, das Fangen des Eishais, tritt in den Hintergrund und wird mehr nebenbei erzählt. Im Vordergrund stehen unzählige kleine Erzählungen über "unnütze" und doch hochinteressante Dinge. 
Allen voran die vielen Vergleiche, die gezogen werden. Hier zuerst das Meer und das Weltall. Der Autor, der auch gleichzeitig der Erzähler ist, hat sich in viele Dinge eingelesen und gibt diese in dem Buch wieder. 
Es ist vieles. Kleine Geschichten aus der norwegische Geschichte, man erfährt einiges über den Walfang, Leuchttürme, Norwegen, historische Persönlichkeiten (Wissenschaftler, Autoren, Seefahrer) oder eben das Leben in Norwegen. Dramatische Ereignisse wie auch erfreuliche Erlebnisse finden einen Weg in die Erzählung.

Diese "Zwischeninfos" verdrängen eben die eigentliche Geschichte über die beiden Hauptcharaktere Hugo und den Erzähler. Die ständigen Abschweifungen von dem Hauptthema sind jedoch zeitweise richtig spannend und haben auch ständig das gleiche Thema: das Meer.


Leuchtturm Skrota © Morten A. Strøksens
Unzählige Fußnoten runden die Geschichte ab. Hier störte mich jedoch, dass ich ständig auf die letzten Seiten blättern musste, um die Fußnoten zu lesen. Nach ungefähr der Hälfte des Buches hörte ich damit jedoch auf. Ich hätte mir gewünscht, die Fußnoten auf der zugehörigen Seite lesen zu können. Dies war jedoch aufgrund der Länge mancher Fußnoten nicht möglich.

Eigentlich ist das Buch kein Roman, sondern ein Sachbuch über das Meer und die damit verwandten Themen. Auch skurrile Dinge werden erzählt. Wusstet Ihr, dass bis ins 19. Jahrhundert hinein, Tiere angeklagt und ihnen der Prozess gemacht wurde?

Ich finde es schön, wie der Autor das Meer mit alltäglichen Dingen vergleicht. So z. B. vergleicht er Wassermoleküle mit Buchstaben, die sich zu Worten (Wasser) zusammensetzen, ganze Wörter bilden und letztendlich in Büchern (Meer) enden und damit wunderbare Geschichten erzählen. 
Aber auch mit Musik wird das Meer verglichen. Mythen, Sagen und Geschichten werden erwähnt. 

Morten A. Strøksens © Alva Gehrmann
Der Autor ist ein wahrer Wortvirtuose und mach aus einfachen Sätzen richtige Kunstwerke. 
Alles zeigt eins: Wir sind nur ein kleiner Teil in der unermesslichen Weite des Alls. Und doch sind wir einzigartig und groß.

Es scheint ganz so, als hätte der Autor alles aufgesaugt, was auch nur im Entferntesten mit dem Meer zu tun hat.
Aber auch negative Dinge werden erwähnt. Die Entwicklung des Arbeitsmarktes, der Rückgang des Fischfangs, Überfischung, Tote, Unglücke, Untergang von Schiffen, Not, Elend. 


Wellen © Morten A. Strøksens
Das Buch an sich muss ich auch noch erwähnen. Es liegt wunderbar in der Hand, was nicht zuletzt auch an der Größe liegt. Es ist etwas kleiner als normale Bücher und der Einband fühlt sich weich und samtig an, da es in Leinen gebunden ist. 

Fazit:
Eine wundervolles Buch mit vielen kleinen Untertönen und einer wunderbaren Geschichte über das Leben, das Meer und einen Eishai. Von mir gibt es dafür 10 von 10 Punkten.

Verlag: DVA
erschienen: 2016
Printseiten: 368
Format: Hardcover
ISBN: 978-3-421-04739-7


Morten A. Strøksens © Alva Gehrmann


Phoebe Hawkins - Nightfall Project von SINA

Phoebe Hawkins - amazon

Hilarie Fairfax freut sich ungemein, die Praktikumsstelle bei der Academy of Natural Science ergattert zu haben und somit am Nightfall Project mitarbeiten zu dürfen - eine innovative Therapiemethode, die den Patienten in einen bewusstlosen Zustand versetzt und mit Hilfe von Neurotransmitter in die Psyche des Patienten Einblick genommen werden kann.
Hilarie fällt ungewollt die Aufgabe zu, in den Verstand des Milliardär Shilian Crawford einzudringen. Der gutaussehende Mann setzt sich aber auch in Hilaries Kopf fest und es beginnt eine aufregende Zeit. Je weiter Hilarie in Shilians Kopf vordringt, umso dunkler werden die Abgründe und Sehnsüchte. Kann sich Hilarie dem perfiden Spiel in Shilians Kopf entziehen oder verfällt sie ihm mit Haut und Haaren?

Ich muss zugeben, dass ich von Anfang an das Gefühl hatte, ein Spin-Off von "50 Shades of Grey" zu lesen. Eine gutaussehende, junge Frau zieht in eine aufregende Stadt und erhält einen chancenreichen Praktikumsplatz an einer aufsteigenden Akademie. Ein - ebenfalls gutaussehender - Milliardär tritt in ihr Leben. Geheimnisvoll und gefühlsmäßig total zerstört bestimmt er ihren Alltag.
Sein rauher Kern tritt oft zu Tage und sie verfällt seinem dunklen Blick. Doch hinter verschlossenen Türen passiert Undenkbares.
So weit, so gut. Doch dann kommt noch ein Fantasy-Effekt dazu. Hilarie dringt mit Hilfe einer neuen Technik in den Kopf von Shilian vor und entdeckt seine noch dunklere Seite.

Sie findet ihn anziehend, hat aber gleichzeitig Zweifel, ob er ihr auch gut tut. Hilarie scheint naiv, doch verbirgt sich hinter ihren jungen Jahren eine große Intelligenz und eine Lebenserfahrung, die eigentlich keiner mitmachen möchte. Ihre Vergangenheit ist geprägt von für sie erschütternden Dingen. 

Der Schreibstil der Autorin hat mich schon gefesselt, deshalb bin ich auch an der Story dran geblieben. Nur bei der Geschichte an sich musste ich mehrfach überlegen, warum es so verwirrend und verstrickend werden muss. Manches erschien mir vom Verhalten der Protagonisten her total unlogisch, teilweise sogar an den Haaren herbeigezogen. Ich fragte mich oft, warum macht Hilarie dies eigentlich mit? Warum lässt sie sich dermaßen auf jemanden ein, der ihr nicht sagen kann, was er fühlt? Und warum erzählt er ihr nicht, was Sache ist? 
Hilarie ist intelligent, aber ihr Verstand setzt aus. Sie weiß genau, dass mit Shilian etwas nicht in Ordnung ist, versucht aber auch nicht weiter, hinter das Geheimnis zu kommen. Erst gegen Ende zeigt sie Initiative, aber nur, weil nicht sie ausschlaggebend dafür ist, sondern eine andere Person auf den Plan tritt und nochmal alles über den Haufen wirft.

Auch bei Shilian muss ich Vergleiche zu Christian Grey aus "50 Shades of Grey" ziehen. Er ist unnahbar, kühl, verströmt aber einen großen Reiz. Dies zeigt sich auch, in dem er sich gerne mit Frauen umgibt und sich dann Hilarie zuwendet.

Es ergibt sich eine große Beziehungskiste, angeführt von Hilarie und Shilian. Hier mischt sich jedoch auch noch Shilians Freund Norman mit ein. Auch Shilians tote Schwester Cleona spielt eine nicht unwichtige Rolle, obwohl ich hier mit der Vorgehensweise auch nicht ganz einverstanden bin.
Und wenn dies noch nicht alles wäre, taucht auch noch Mitchell auf, den Hilarie aus ihre Schulzeit kennt. 
So ergeben sich viele, viele Stränge, die letztendlich miteinander verflochten werden wollen. Und dies ist der Punkt, an dem es scheitert.

Das letzte Drittel wirkt in meinen Augen sehr unglaubwürdig, als wolle die Autorin unbedingt noch weitere Kapitel aus dem Buch herauskitzeln. Es gibt ein Hin und Her bis das Ende naht. Und dies passt mal so gar nicht und ist auch für keine der vielen Parteien wirklich befriedigend. Schon gar nicht für mich.

Am meisten verwundert hat mich Hilarie. Von ihr hätte ich mir mehr gewünscht, mehr Emotionen wie Ärger, Wut, Enttäuschung. Aber die Autorin verstrickt sich derart in das Gefühlsleben von Hilarie und Shilian. Hier hätte ich mir etwas "weniger" gewünscht. Vielleicht hätte man das Nightfall Project auch durch die gute alte Hypnosetechnik ersetzen können. Dann wäre alles etwas glaubwürdiger rübergekommen.

Fazit:
Ein verwirrender Roman, der sich sehr verstrickt und sehr nah an "50 Shades of Grey" angelegt ist. Daher gibt es von mir leider nur 4 von 10 Punkten.

Verlag: Selfpublishing
erschienen: 2016
Printseiten: 597
Format: ebook
ASIN: B01KMS7QBK

Mittwoch, 12. Oktober 2016

[Filmrezension] Die Insel der besonderen Kinder von SINA


Jake liebt seinen Großvater, auch weil er ihm immer tolle Geschichten erzählt. Monster, fliegende oder unsichtbare Kinder und ein geheimnisvolles Haus auf einer Insel sind nur Teile der Geschichten. Als der Großvater stirbt, sieht Jake eines dieser Monster, von denen sein Opa immer erzählt hat. Doch niemand glaubt ihm und auch Jake denkt langsam, dass er verrückt wird. Als seine Psychiaterin es für eine gute Idee hält, die Insel aufzusuchen, um sich davon zu überzeugen, dass die Geschichten des Großvaters nur seiner Fantasie entsprungen sind, macht er sich auf, die Wahrheit zu finden. Doch was er findet, übersteigt sämtliche Vorstellungen.

2013 hatte ich den ersten Teil der mittlerweile als Trilogie angelegten Reihe von Ransom Riggs gelesen und war gleich total gefangen von der ungewöhnlichen Geschichte, die sich zwischen den Buchdeckeln versteckte.
Als 2015 der zweite Teil "Die Stadt der besonderen Kinder" erschien, war dieser ebenso schnell gelesen und nun warte ich sehnsüchtig auf das Ende der Trilogie in gedruckter Form (Die Bibliothek der besonderen Kinder).

Aber das Warten auf den letzten Teil wird einem versüßt durch den Gang ins Kino, denn "Die Insel der besonderen Kinder" hat es nun auf die Leinwand geschafft und ich kann eins vorweg sagen: Es. Lohnt. Sich.

Ich sehe gerne Filme, auch gerne Buchverfilmungen. Aber es gibt wenige Buchverfilmungen, die es schaffen, dem Buch gerecht zu werden. "Die Insel der besonderen Kinder" hat es aber definitiv geschafft.

Droemer Knaur
Dies liegt aber auch an den Schauspielern, denen die Rollen quasi auf den Leib geschrieben sind. Allen vorweg Eva Green, die die Miss Peregrine verkörpert. Ihre Mimik ist einzigartig und die schauspielerische Leistung ist grandios. Vor allem die Augen von Eva Green sind mehrere Blicke wert. 

Aber auch Samuel L. Jackson, der Barron spielt, hat eine herrliche Art, die Figur zu verkörpern. 

Auch die anderen Schauspieler, allen voran Asa Butterfield, der den jungen Jake verkörpert, hat diese Rolle sehr gut gemeistert. 


Die Landschaftsaufnahmen sind wunderschön. Ein besonderer Drehort ist Roseland Peninsula in Protholland, einer Halbinsel in Cornwall. Dieser Ort diente als Vorlage für die Insel, die Jake besucht, um dort die Antworten auf seine Fragen zu finden. Der Ort wirkt regnerisch, wenig bewachsen. Farben sind fast keine zu sehen. Es ist rau und felsig. Als sich Jake dann jedoch zu dem Waisenhaus aufmacht, von welchem sein Großvater immer sprach, ändert sich die Kulisse. Es ist sonnig, die Pflanzen wuchern fast und es wirkt freundlich und warm. Gemütlich. Dieser krasse Gegensatz hat mich sehr fasziniert.

Tim Burton, der sich der Umsetzung des Buches angenommen hat, hat seinen Job mal wieder richtig gut gemacht. Ich liebe seine Filme. Angefangen hat alles mit "Edward mit den Scherenhänden". Aber auch "Sleepy Hollow", "Charlie und die Schokoladenfabrik" oder "Alice im Wunderland" konnten mich schon begeistern. Er gehört definitiv zu meinen Lieblingsregisseuren.

"Die Insel der besonderen Kinder" bietet den Stoff, den Tim Burton braucht, um daraus einen richtig guten Film zu machen.

Die guten Schauspieler, die gute Story, der gute Regisseur - dies alles führt zu einem richtig guten Film, bei dem man gar nicht merkt, dass er 127 Minuten geht. Von mir aus hätte man ruhig noch eine Stunde dran hängen können.

Ich hoffe, dass noch viele andere wie ich so denken und es dazu führt, dass der zweite und dritte Teil der Trilogie von Ransom Riggs auch verfilmt werden.

Fazit:
Für Fans von Tim Burton, für Fans von Ransom Riggs, für Fans von richtig gutem Kino.